Warum ich den Harzer Hexenstieg nicht weiterempfehlen würde

Warum ich den Harzer Hexenstieg nicht weiterempfehlen würde

 

Vorweg

Der Harz und die Hexen, tja das ist so eine Sache. Ich bin Realistin und lebe auf dem Boden der Tatsachen, aber der Harz… Nein Spaß beiseite, wirklich angefixt hat mich letztendlich der Name Hexen Steig. Ich war als Kind, noch zu DDR Zeiten, öfter im Harz und hatte ihn in guter Erinnerung, wenn man denn im Alter von 3 Jahren von Erinnerung reden kann. Dennoch, es gibt zig Fotos, auf denen uns die DDR Verwandtschaft in den Harz entführt hat. Gemeinsam mit den Geschichten von Bibi Blocksberg, der Vorstellung einmal zur Walpurgisnacht auf dem Brocken zu sein und der Lust zu wandern entstand mein persönliches Projekt: Unterwegs auf dem Harzer Hexenstieg, ganz zu schweigen natürlich von Goethe und Heinrich Heine.

 

Der Tag, als es losgehen sollte

Endlich hatten wir einen Termin gefunden, um ein paar Tage auf dem sagenumwobenen Hexenstieg zu wandern. Doch zumindest die Wetterhexen meinten es nicht gut mit uns. Über ganz Deutschland fegte ein Orkan. Nachdem wir stundenlang den Wetterbericht verfolgt hatten, haben wir beschlossen einfach mal loszufahren. Der Deal war: Kommen wir bis in den Harz, dann laufen wir, ansonsten eben nicht. Es sollte sozusagen das Schicksal entscheiden – passt doch irgendwie zu den Hexen.

Angekommen am Kölner Hauptbahnhof kam unser Zug, obwohl in der ganzen Republik eigentlich nichts mehr ging, sogar pünktlich. Das kann ja nur ein gutes Omen sein, dachten wir. Dass das mit dem guten Omen so eine Sache ist, erfuhren wir kurz vor Hannover. Wir standen Stunden in der Pampa, konnten letztendlich noch in eine Regionalbahn umsteigen und ab Hannover war dann jeglicher Bahnverkehr eingestellt. Wir saßen fest und durften liebenswerter Weise in einem eiskalten Zug der DB übernachten. Das Ganze nannte sich Hotelzug. Eigentlich hatte ich mir da einen Liegewagen vorgestellt aber dem war nicht so. Es war ein ganz normaler Zug und die ganze Nacht standen die Türen offen. Immerhin konnte ich kurz vor Ladenschluss noch etwas zu trinken und eine Tüte Chips erstehen.

Gerädert haben wir uns auf den Rest der Strecke begeben und auch der Sturm ließ nach. Irgendwann kommen wir auch in Osterode an und begeben uns nach einem Kaffee auf die erste Etappe. Abends beziehen wir unser Quartier und gehen noch schön essen. Was uns etwas stört ist, dass es ununterbrochen schneit.

Schnee

Die Bedienung fragt uns, was wir denn nun machen werden, ich antworte:“ Ja laufen, was denn sonst.“ Im Augenwinkel sehe ich jedoch, wie sich am Tresen fünf Köpfe nach mir umdrehen und mich skeptisch bis leicht ironisch betrachten. Ich beschließe einfach diese Blicke zu ignorieren und weiterhin zuversichtlich zu sein. Träume gebe ich schließlich nicht so leicht auf.

Doch am nächsten Morgen müssen auch wir kapitulieren, denn es hat gute 50 cm Neuschnee gegeben. Wir versuchen noch auf Umwegen Richtung Torfhaus* zu kommen, kapitulieren aber schließlich, da wir befürchten dort nicht mehr weiter zu kommen. Frustriert treten wir die Rückreise an. Heute weiß ich, dass diese Entscheidung verfrüht war, denn der Weg lässt sich auch im Winter prima gehen.

 

Gut zwei Jahre später

Immer noch geistert mir der Harzer Hexenstieg im Kopf herum. Keine Ahnung warum, aber ich stelle mir kleine Pfade und mystische Wälder vor und so machen wir uns erneut auf den Weg, um den Hexenstieg zu laufen.

Diesmal starten wir in Torfhaus und machen uns auf den Weg zum Brocken. Das erste Stück des Weges ist wirklich toll, doch irgendwann stoßen wir auf den alten Kolonnenweg. Er mag zwar nützlich gewesen sein, um schnell an die Grenze zu kommen, doch zum Wandern ist er nicht so toll.

Hexenstieg Kolonnenweg

Oben angekommen geht es auf einem breiten aber durchaus schönen Weg, entlang der Brockenbahn weiter, bis man dann sozusagen die Autobahn zum Brocken erreicht.

Die letzten Kilometer führen nämlich tatsächlich über den Fahrweg. Das ist soweit okay, doch wenn wir die Beschilderung betrachten, drohen uns am nächsten Tag mehrere Kilometer auf Asphalt. Leider wird uns diese Vermutung abends im Hotel bestätigt und so wandern wir am nächsten Tag nicht nur auf einer Asphaltstraße, sondern auch durch eine etwas trostlose Landschaft.

Hexenstieg 3

Bis nach Drei Annen Hohe geht es nur ein kurzes Stück auf einem kleinen Pfad, ansonsten bewegen wir uns auf breiten Forstwegen und auch der Weg von Drei Annen Hohe nach Hasselfeld verläuft überwiegend auf breiten Forstwegen.

Hexenstieg 5

Von Hasselfelde* nach Altenbrak* ist der Weg etwas abwechslungsreicher und auf kleinen Teilstücken wird er sogar zum schmalen Pfad. So richtig toll wird der Weg jedoch erst zwischen Altenbrak und Thale. Hier führt der Hexenstieg durch das Bodetal und wird endlich seinem Namen gerecht, zumindest dem, was ich mir unter dem Namen vorgestellt habe.

Hexenstieg 6

 

Empfehlen oder nicht? Grundsätzliches

Grundsätzlich finde ich es sehr schwer bei Wanderwegen eine Empfehlung auszusprechen oder eben darüber zu schreiben, dass ein Weg nicht hält, was er verspricht. Zum einen hört sich das gleich immer so an, als sei die ganze Tour irgendwie Mist gewesen, dass war sie nicht. Zum anderen ist so ein Eindruck ja auch subjektiv, denn jeder hat andere Vorlieben und nicht jeder liebt kleine Pfade über Stock und Stein. Dann kommen noch die persönlichen Erwartungen, das Wetter und die eigene Stimmung hinzu. Aus diesem Grunde habe ich diesen Artikel lange vor mir hergeschoben, da aber der Post zum Hexensteig nach wie vor viel gelesen wird, fühle ich mich ein bisschen zu dieser Kritik gedrängt und deshalb muss sie jetzt einfach mal raus:

 

Gründe, warum ich den Hexen Steig nicht empfehlen kann

Grund 1: Die Wegführung

Wie bereits erwähnt hat die Wegführung zu großen Teilen nichts mit einem Steig zu tun. Es geht über weite Strecken über breite Forstwege, die wenig Abwechslung bieten.

Grund 2: Der Waldzustand

Wie gesagt, ich hatte mystische Wälder erwartet und einen toten Wald gefunden. Dafür kann zwar weder der Wald noch der Weg etwas, dennoch schlägt es auf die Stimmung, wenn man kilometerweit durch abgestorbene Bäume läuft.

Hexenstieg 2

Vor 30 Jahren waren die Wälder rund um den Broken stark vom sauren Regen betroffen und zahlreiche Maßnahmen wurden ergriffen um das Waldsterben zu beenden, angeblich mit Erfolg. Dafür, dass das große Waldsterben, welches in den 80er Jahren prognostiziert wurde angeblich ausgeblieben ist, erinnern mich manche meiner Fotos doch sehr stark an die Bilder, die damals auf den Wahlplakaten der Grünen prangten.

Hexenstieg 4

Wie dem auch sei, ich als Laie würde den Zustand des Waldes am Brocken jedenfalls nicht als positiv bewerten, zumal 2018 auch noch eine Borkenkäfer Epidemie hinzu gekommen ist.

 

Think positiv

Ich weiß, dass der Harz unglaublich schön ist und es viele tolle Touren für Wanderer und Radfahrer gibt. Allerdings sollte man sich vielleicht davon frei machen unbedingt auf den Spuren von Goethe und Heinrich Heine wandern zu wollen und sich eine Tour abseits des Hexen Stieges zusammen stellen.

 

Wie hast du den Harzer Hexenstieg erlebt? Hast du Tipps für alternative Routen? Immer her mit deinen Kommentaren.

 

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