Du planst Sardinien mit dem Rad zu erkunden? Dann habe ich hier ein paar Tipps und Informationen für Dich. Gesammelt habe ich sie auf meiner diesjährigen Radreise von Olbia über Porto Tores nach Cagliari.

Anreise

Wir sind geflogen, und zwar mit Eurowings von Köln/Bonn. Dies ist zwar nicht die umweltfreundlichste Anreiseart, aber doch mit Abstand die schnellste und bequemste. Die Fluggesellschaft fliegt sowohl Olbia als auch Cagliari in den Sommermonaten mehrmals wöchentlich an.

Umweltfreundlicher geht es da schon mit Zug und Fähre zu und Du hast gleich mehrere Reisemöglichkeiten.

  • Genua – Olbia
  • Genua – Porto Torres
  • Livorno – Olbia
  • Piombino – Olbia
  • Civitavecchia (Rom) – Cagliari
  • Civitavecchia (Rom) – Olbia
  • Napoli – Cagliari
  • Palermo – Cagliari
  • Savona – Porto Torres
  • Nizza – Porto Torres

Ein paar Worte zur Fahrradmitnahme im Flugzeug

Ich habe bereits darüber geschrieben, wie unkompliziert die Fahrradmitnahme im Flugzeug ist, muss diese Aussage jedoch nach unserem letzten Flug relativieren. Wie immer hatten wir für den Hinflug Kartons und es ging alles reibungslos und wie immer hatten wir für den Rückflug keine Kartons und anders als sonst ging es diesmal nicht reibungslos. Die Dame am Check-in wollte die Räder erst gar nicht mitnehmen, nach Telefonaten und einer Beratung mit Kolleg*innen wurden wir jedoch zum Sperrgepäck geschickt. Allerdings mussten wir unterschreiben, dass wir keine Regressansprüche stellen.

Fahrrad am Flughafen, Sardinien

Ein Glück ist noch alles da

Beim Sperrgepäck passte das Rad dann nicht durch diesen doofen Scanner und auch hier erst einmal die Aussage: „Das geht nicht, das können wir nicht mitnehmen.“ Eine Mitarbeiterin hatte Mitleid mit uns und meinte, wir sollten mal versuchen, ob es ohne Vorderrad durch den Scanner passt. Mit den Tragriemen der beiden Radtaschen, die wir als Handgepäck hatten, haben wir dann die Vorderräder am Rahmen befestigt und siehe da, die Räder passten durch den Scanner. Allerdings hat uns die Mitarbeiterin nicht wirklich Hoffnung gemacht, dass wir alles heil wieder bekommen.

Aber Ende gut, alles gut: wir haben die Räder wohlbehalten am Flughafen Köln/Bonn in Empfang genommen. Vielleicht sind wir ja nur an besonders prinzipientreu Mitarbeiter*innen geraten, vielleicht nimmt Eurowings seine Transportbestimmungen aber jetzt auch ernster als in den vergangenen Jahren. Ich weiß es nicht, empfehle Dir aber für den Rückflug das Vorderrad rauszunehmen und gut am Rahmen zu befestigen.

Sardinien mit dem Rad

Unterwegs auf Nebenstraßen

Camping

Mit wenigen Ausnahmen handelt es sich bei den Campingplätzen um sogenannte Camping Villages. Sprich es gibt neben Stellplätzen noch Mobilheime, in der Regel einen Pool und einen Minimarkt und die Preise sind, zumindest in der Hauptsaison gepfeffert. Wir haben mit zwei Personen und einem kleinen Zelt durchschnittlich 40,00 bis 50,00 Euro bezahlt. Nicht, dass dadurch der Preis gerechtfertigt ist, aber es gibt in der Regel warme Duschen, manchmal Klopapier und die Sanitäranlagen sind sehr sauber. Wir haben übrigens keinen Platz vorher reserviert und sind nur an einem Platz abgewiesen worden. Allerdings waren wir auch Ende August, Anfang September unterwegs. Generell haben wir jedoch bisher die Erfahrung gemacht, dass man mit einem kleinen Zelt immer irgendwo, irgendwie einen Platz findet.

Einkaufen auf dem Campingplatz

Die Einkaufsmöglichkeiten, die Du auf nahezu allen Campingplätzen hast, sind ganz unterschiedlich. Mal hast Du eine Gemüse, Brot – und Fleischtheke und mal bekommst Du mit etwas Glück Olivenöl, Dosentomaten und Nudeln. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass einige Märkte zum Ende der Saison nur noch abverkauft haben. Willst Du also sicher sein, dass Du Dir ein leckeres Abendessen kochen kannst, dann solltest Du unbedingt unterwegs einkaufen.

Mein Tipp: Wir haben festgestellt, dass die Lebensmittel in den Radtaschen relativ wenig Hitze abbekommen. Bei verderblicher Ware kannst Du einfach eine kalte Getränkedose dazu legen und schon hält sich der Kram bis zum Kochen am Abend.

Sardinien mit dem Rad

Leider ist es nicht immer so leer

Verkehr

Die Straßen auf Sardinien sind ganz unterschiedlich viel befahren. Nähert man sich einem größeren Ort, dann wird es in der Regel voll und auch schon einmal unangenehm mit dem Rad. Am angenehmsten lässt es sich radeln, wenn eine Autobahn oder Schnellstraße die gleiche Route abdeckt, was allerdings nicht so oft der Fall ist.

Fahrverhalten

Wenn Du bereits mit dem Rad in Italien unterwegs warst, dann hast Du vermutlich die Zuvorkommenheit der italienischen Autofahrer*innen kennengelernt. Die gibt es auf Sardinien allerdings nur in abgeschwächter Form. Grundsätzlich scheinen alle sardischen Autofahrer*innen bereit zu sein, genügend Abstand zu halten. Kritisch wird es bei einigen jedoch, wenn sie dafür selbst auf die Bremse treten müssen. Dennoch kannst Du mit 90 % Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass es sich um Touristen handelt, wenn Du wirklich kriminell geschnitten wirst.

Hupen

Glaub es oder lasse es einfach bleiben, aber meiner Meinung nach gibt es auf Sardinien drei verschiedene Huper*innen und es wird noch skurriler: Ich glaube sogar, dass man sie unterscheiden kann. Da gibt es einerseits die aggressive Hupe, gedrückt von jemand, der sich tatsächlich darüber aufregt, dass Du den Verkehr aufhältst. Dann die warnende Hupe, die Dich informieren soll, dass Du gleich von einem Auto überholt wirst. Na und dann meine Lieblingshupe, die freundschaftliche. Meist gefolgt von einem anerkennenden Spruch oder einem Daumen hoch beim Überholen.

Kurven schneiden

Ein echtes Laster der sardischen Autofahrer*innen ist das Kurvenschneiden. Wir haben uns ein ums andere Mal über einen breiten Seitenstreifen gefreut, mussten aber immer wieder feststellen, dass er in den Kurven einfach in die Fahrbahn einbezogen wird.

Das hört sich vermutlich jetzt alles ganz schrecklich an, aber wir sind in all der Zeit tatsächlich nur einmal in eine brenzlige Situation gekommen. Haben auf der anderen Seite aber auch Autofahrer*innen getroffen, die angehalten haben und uns Wasser angeboten haben.

Sardinien mit dem Rad

Ausblick unterwegs

Sardinien mit dem Rad: Wasserversorgung unterwegs

Wenn wir schon beim Thema Wasser sind. Wenn Du nicht auf nette Autofahrer*innen triffst, dann sieht es mit der Wasserversorgung mitunter mau aus. Zwar gibt es in jeder Bar die Möglichkeit Wasser zu kaufen, die vom Festland bekannten Wasserstellen sind auf Sardinien jedoch sehr selten. Um genau zu sein, haben wir erst welche in der Region Cagliari gesehen.

Zugfahren auf Sardinien

Wir haben auf unseren Radreisen in Italien immer mal wieder den Zug genutzt und haben das Zugfahren mit Fahrrad immer als sehr entspannt erlebt. Niemand hat sich über die Räder aufgeregt und in der Regel gab es beim Ein- und Ausstieg immer eine helfende Hand. Ähnlich ging es auch auf unserer Fahrt von Porto Torres nach Sassari zu. Ganz unerwarteten Stress gab es auf unserer Zugreise von Sassari nach Olbia beim Umstieg in Ozieri. Was natürlich verständlich ist, da es am Umsteigebahnhof gerade einmal zwei Züge gibt, die die Reisenden nach Olbia bringen. Hinzu kommt, dass die Treppen vom und zum Gleis total schmal sind und neben einem Trekkingbike eigentlich keinen weiteren Platz bieten. Kurz und gut, willst Du hier umsteigen, Du hast übrigens genau 7 Minuten Zeit, dann brauchst Du starke Nerven. Und, was ich viel schlimmer fand: Du musst alles, was Du über Rücksichtnahme gelernt hast, vergessen oder aber Du musst 6 Stunden auf den nächsten Zug warten.

Der Trenino Verde

Ursprünglich hatten wir einen Teilabschnitt mit dem historischen Trenino Verde geplant. Nach unseren Informationen sollte eine Fahrradmitnahme ohne Probleme möglich sein, wenn der Zug nicht zu voll ist. In einem neueren Reiseführer habe ich dann gelesen, dass Fahrräder nicht mehr transportiert werden. Daraufhin haben wir unsere Route geändert und auf eine sicherlich tolle Fahrt mit dem Zug verzichtet. Solltest Du ebenfalls eine Fahrt mit dem Trenino Verde einplanen, informier Dich vorab genau, ob Du mit Deinem Fahrrad auch tatsächlich mitgenommen wirst, denn die Informationen, die Du im Internet findest, sind durchaus widersprüchlich.

Sardinien mit dem Rad

Herdenschutzhund bei der Arbeit

Sardinien mit dem Rad: Herdenschutzhunde 

Je nachdem, wo Du bei Deiner rRauf Sardinien unterwegs bist, wirst Du auf den ein oder anderen Herdenschutzhund treffen. Am besten sind wir bisher bei solchen Begegnungen gefahren, indem wir einfach ruhig weitergefahren sind und die Herde und die Hunde einfach ignoriert haben. Auch, wenn ich das Foto wirklich schön finde, dem Hund hat es nicht gefallen, dass ich stehen geblieben bin und ihn ins Visier genommen habe. Dies hat er mir mit einem furchterregenden Knurren deutlich gezeigt. Ich empfehle Dir also, die Herde möglichst unauffällig zu passieren. Sollten die Hunde dennoch auf Dich zukommen oder Dir gar den Weg versperren, bleib in jedem Fall stehen und gib dem Hund Zeit, die Situation einzuschätzen. Wenn sie erkennen, dass Du keine Gefahr darstellst, ziehen sie sich zurück. Kommen sie zu einem anderen Schluss, bleibt Dir nur der langsame Rückzug.

Sardinien mit dem Rad

Eselherde unterwegs

Am Straßenrand

Was weniger schön ist, ist der viele Müll am Straßenrand. Noch weniger schön sind eine Vielzahl von Tieren in unterschiedlichem Verwesungszustand. Neben zahlreichen Katzen hatten wir ein Wildschwein, eine Eule und eine Schildkröte. Hier hilft nur Nase zu und durch. Dafür machen zahlreiche lebende Tiere eine Radtour auf Sardinien zu einem unvergesslichen Abenteuer. Neben Schafen und Ziegen ist uns eine ganze Eselherde begegnet, frei laufende Pferde und sogar ein riesiges Schwein, was aussah wie eine Mischung aus Haussau und Wildschwein.

Die Fahrtrichtung für Deine Radreise Sardinien

Die Entscheidung, ob wir nun von Olbia nach Cagliari fahren sollen oder doch lieber in Cagliari starten sollen, ist uns wirklich schwergefallen. Im Nachhinein war die Entscheidung für ersteres jedoch wirklich gut. Zugegeben, andersherum hätten wir vermutlich mehr tolle Ausblicke gehabt, aber auch wesentlich unangenehmere Steigungen.

Sardinien mit dem Rad

Hier eine der besagten Abkürzungen

Nebenrouten und Abkürzungen auf Komoot

Ab und an findest du auf Komoot verlockende Abkürzungen oder auch Strecken, die näher an der Küste verlaufen als die eigentliche Küstenstraße. Ich kann Dir nur raten: Lass es, denn hier handelt es sich meist um echte Mountainbike Strecken, die Du mit Gepäck nur schiebend bewältigen kannst. Und selbst das ist mitunter schwer. Wir haben uns zu einer solchen Abkürzung hinreißen lassen und hatten oft Probleme, das Fahrrad überhaupt die Steigung hoch zu bekommen.

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