Glen Coe, im Herzen der schottischen Highlands gelegen, ist nicht nur für seine dramatische Landschaft und bewegte Geschichte bekannt, sondern auch ein Paradies für Wanderfreunde. Die majestätischen Berge, die sich entlang des Tals erheben, bieten eine Vielzahl von Wanderwegen. Die hohen Berge und tiefen Täler haben mich bei meinem Roadtrip durch Schottland sofort in ihren Bann gezogen.

Die Naturpracht von Glen Coe

Die Region Glen Coe erstreckt sich über eine atemberaubende Kulisse von schroffen Bergen, darunter der imposante Buachaille Etive Mòr und die beeindruckenden Three Sisters. Grüne Täler und klare Gewässer runden die Landschaft ab und lassen die Herzen von Wanderfans höherschlagen. Ich bereue es sofort, dass wir hier nicht mehr Zeit für ausgiebige Wanderungen eingeplant haben.

Glen Coe

Nicht nur die Erkundung des Nationalparks  Glen Coe ist spannend, sondern auch seine Entstehung, die eng mit den geologischen Prozessen verbunden ist, die vor Hunderten von Millionen Jahren begannen und die faszinierende Landschaft der schottischen Highlands geformt haben. Die geologische Geschichte von Glen Coe ist von Vulkanismus, Gletschern und Erosion geprägt.

Die Ursprünge von Glencoe lassen sich auf vulkanische Aktivitäten im Zeitalter des Paläozoikums zurückführen, vor etwa 420 Millionen Jahren. In dieser Ära drangen heiße, geschmolzene Gesteinsmassen aus dem Erdmantel an die Oberfläche und bildeten Vulkane. Glencoe liegt auf dem Komplex des Glencoe-Vulkanismus, einer Region, die von einem Netzwerk aus Vulkanen und magmatischen Gesteinen durchzogen ist.

Glen Coe

Die Vulkanaktivitäten hinterließen eine Vielzahl von Gesteinen in der Region Glen Coe, darunter Basalt und Rhyolith. Diese Gesteine prägen das markante Erscheinungsbild der Berge in Glencoe. Der Buachaille Etive Mòr, einer der auffälligsten Gipfel in der Region, besteht beispielsweise aus basaltischem Gestein, das durch vulkanische Aktivitäten geformt wurde.

Während der letzten Eiszeit, die vor etwa 2,4 Millionen Jahren begann, formten Gletscher das Tal von Glen Coe. Mächtige Eismassen, die von den umliegenden Bergen abwärts glitten, schnitten tiefe Täler und Schluchten in die Landschaft. Das charakteristische U-förmige Profil von Glencoe ist das Ergebnis dieses eiszeitlichen Erosionsprozesses.

Glen Coe

Die markanten Gipfel der Three Sisters sind ein herausragendes Beispiel für die Erosion durch Gletscher. Diese drei Berge, Beinn Fhada, Gearr Aonach und Aonach Dubh, erheben sich majestätisch über das Tal und tragen zur dramatischen Kulisse von Glencoe bei. Das Lost Valley, ein verstecktes Tal zwischen den Three Sisters, entstand durch Gletscheraktivitäten und bietet heute einen malerischen Anblick für Wanderer.

Aber nicht nur die Landschaft ist abwechslungsreich, sondern auch die Tierwelt. Mit etwas Glück kannst du auf deiner Wanderung Rotwild, Adler, Wanderfalken und andere einheimische Tierarten beobachten. Die Pflanzenwelt ist ebenfalls vielfältig, mit einer Mischung aus Heidekraut, Flechten und seltenen alpinen Pflanzen, die die Hänge der Berge schmücken.

Glen Coe wandern in atemberaubenden Natur 2

Glen Coe – eine bewegende Geschichte

Glencoe birgt nicht nur natürliche Schönheit, sondern auch eine spannende Geschichte. Das Tal ist bekannt für das berühmte Massaker von Glencoe im Jahr 1692, das einen dunklen Schatten über die Region wirft. Historische Stätten und Denkmäler entlang der Wanderwege erzählen von den tragischen Ereignissen und der kulturellen Bedeutung dieses Ortes.

Das Massaker von Glencoe
Das Massaker von Glencoe ereignete sich im Februar 1692 in Glencoe, Schottland, während einer Zeit politischer Spannungen und Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem sogenannten “Glorious Revolution” (Glorreiche Revolution) von 1688. Die Glorreiche Revolution führte zur Vertreibung des katholischen Königs James II. und zur Einsetzung der protestantischen Monarchen William III. und Mary II.

In Glencoe lebte der Clan MacDonald, ein schottischer Highland-Clan, der als Anhänger von James II. galt. Der neue protestantische König William III. verlangte von den schottischen Clans einen Treueeid auf ihn. Die Frist für diesen Eid endete am 1. Januar 1692. Der Clan MacDonald verpasste jedoch die Frist, nicht aus Ablehnung, sondern aufgrund von bürokratischen Verzögerungen und Unsicherheiten. Die Regierungstruppen unter dem Befehl von Captain Robert Campbell wurden daraufhin nach Glencoe geschickt. Die Campbells wurden als traditionelle Feinde der MacDonalds angesehen.

Die MacDonalds gewährten den Truppen Gastfreundschaft, wie es in den Highlands üblich war. Nach etwa zwei Wochen, in denen die Truppen scheinbar freundlich aufgenommen wurden, griffen sie in den frühen Morgenstunden des 13. Februar 1692 an. Es wird angenommen, dass die Befehle zum Angriff von höheren militärischen und politischen Autoritäten kamen, wobei der Hauptgrund für das Massaker politisch motiviert war, um ein Exempel statuieren und Loyalität gegenüber der neuen Regierung erzwingen zu können. Etwa 38 Männer, Frauen und Kinder des Clans MacDonald wurden getötet, und viele andere flohen in die eisige Wildnis und starben später an den extremen Bedingungen.

Das Wandern in Glen Coe

Der Clen Coe Nationalpark bietet eine Fülle von unterschiedlichen Wanderrouten, mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Der Aonach Eagach Ridge Walk beispielsweise ist eine anspruchsvolle Route, die erfahrenen Bergsteigern eine Herausforderung bietet. Dieser Gratweg erstreckt sich über scharfe Felskämme und erfordert Schwindelfreiheit und Kletterfähigkeiten. Die Belohnung für Mutige sind atemberaubende Ausblicke über das Tal.

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Für weniger erfahrene Wanderer sind der Devil’s Staircase oder der Pap of Glencoe hervorragende Optionen. Der Devil’s Staircase bietet spektakuläre Blicke auf den umliegenden Ben Nevis und ist Teil des West Highland Way. Der West Highland Way ist einer der bekanntesten Fernwanderwege Schottlands und eröffnet atemberaubende Ausblicke auf die umliegenden Berge. Der Pap of Glencoe ist ein markanter Gipfel, der eine herausfordernde, aber machbare Wanderung bietet und mit einer atemberaubenden Aussicht auf das Tal belohnt. Eher malerisch geht es im Lost Valley mit seiner grünen Pracht und dem rauschenden Fluss zu.

Ausgesuchte Wandertouren für Geübte in Glen Coe

Buachaille Etive Mor

Du startest in der Parkbucht Altnafeidh auf der linken (südlichen) Seite der A 82 und folgst dem Weg bis du zu einer Fußgängerbrücke kommst. An der nächsten Weggabelung hältst du dich rechts und wanderst den Berg  hinauf. An der nächsten Gabelung kannst du links weiter zum Stob Dearg laufen. Auf diesem Weg durchquerst du den Allt Coire na Tulaich und einen weiteren Kessel.

Weiter geht es durch Blockterrain und über einen Felsgrat auf den Kamm zum Gipfel des Stob Dearg (1022 m). Anschließend wanderst du zum Kamm zurück und kommst wieder zu dem ursprünglichen Weg. Nun geht es  geradeaus weiter über Stob na Doire und Stob Coire Altruim zum Stob na Broige (956 m).

Anschließend geht es fast zurück zum Stob na Doire und du steigst die Hänge nach Norden ab. Wenn du dir den Abstecher zum Stob Dearg sparen willst kannst du an der Weggabelung auch rechts bleiben und direkt zum Stob na Doire weiterwandern.

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Beinn A’ Chrùlaiste:

Du startest an der Parkbucht Altnafeidh der Straße auf ihrer Nordseite und wanderst zunächst nach rechts zu einem Tor.Nach rechts folgen zu einem Tor. Hinter dem Tor hälst du dich links und gehst an dem Zaun entlang auf den Westkamm des Beinn a‘ Chrùlaiste. Von dort gelangst du über ein kleines Plateau zum Gipfel (650 m).

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Bidean Nam Bian:

Die Wanderung startet am Parkplatz auf der Nordseite der A 82 etwa 300 Meter westlich des einzelnen Hauses von Alltnareigh. Von hier aus folgst du einem kleinen Pfad Richtung Südwesten bis du zu einem Wasserfall kommst. Nun biegst du rechts ab und gelangst über eine Wiese in das obere Tal. Du lässt den Stob Coire nam Beith rechts liegen und wanderst links zum Gipfel. Auf dem Rückweg vom Gipfel hälst du dich rechts und wanderst durch das  Coire Gabhail zurück zum Ausgangspunkt.

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Aonavh Eagach

Auch diese Tour startet am Parkplatz auf der Nordseite der A 82 etwa 300 Meter westlich des einzelnen Hauses von Alltnareigh. Auf den ersten Gipfel, den Am Bodach, kannst du entweder kraxeln, indem du den steilen Anstieg nimmst oder du läufst weiter am Fluss entlang und sparst deine Kräfte für das, was noch kommt, denn ohne Kraxelei geht es auf der Tour nicht.

Vom Gipfel runter kletterst du vorsichtig bergab  und folgst dem Grat zum Meall Dearg (956 m). Nun wird es noch einmal anspruchsvoll, denn auf einem Grat mit ausgesetzter Kraxelei und einigen kniffligen Stellen geht es zum Gipfel Stob Coire Leith. Am Gipfel angekommen, hast du das Schlimmste geschafft. Auf einem leichteren Weg wanderst du zum Sgorr nam Fiannaidh (967 m). Anschließend wanderst du in westlicher Richtung weiter, bis du zwei Steinmännchen siehst und einen Pfad auf der rechten Seite erreichst, dem du hinab ins Dorf Glencoe folgst.

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Sicherheit

Egal ob ambitionierte*r Alpinist*in oder gemütliche*r Spaziergänger*n, das Wetter in den schottischen Highlands solltest du in keinem Fall unterschätzen, denn es kann sich sehr schnell ändern. Deshalb ist entsprechende Kleidung unabdingbar. Gerade bei schwereren Touren ist es empfehlenswert nicht nur auf die Wetterapp zu schauen, sondern eine Einschätzung von Einheimischen einzuholen. Außerdem kannst du nicht auf allen Wegen mit einer tollen Beschilderung rechnen, sondern bist oft auf deinen Orientierungssinn angewiesen, sodass du nicht ohne eine entsprechende Karte loslaufen solltest.

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Sei verantwortungsbewusst

Glen Coe ist nicht nur ein beliebtes Ziel für Wanderfreunde, sondern auch ein empfindliches Ökosystem. Wie überall ist es wichtig, verantwortungsbewusst zu wandern und die Natur zu respektieren. Halte dich unbedingt an die markierten Wege, nimm deinen Müll wieder mit und versuche keine Tiere zu stören oder Pflanzen zu zertreten. Zudem solltest du dich unbedingt an die ausgewiesenen Parkplätze halten und nicht irgendwo in der Natur parken, auch dann nicht, wenn du auf den Parkplätzen keinen Platz mehr findest.