Zuletzt aktualisiert am 30. September 2019 um 12:16

Eine Mehrtagestour auf dem Harzer Hexenstieg stand schon einmal auf unserem Programm, doch damals sind wir nach der ersten Etappe so dermaßen eingeschneit, dass wir abbrechen mussten und frustriert die Heimreise angetreten haben. Da Ostern dieses Jahr so spät lag, haben wir einen neuen Versuch gestartet. Als jedoch die Temperaturen kurz vor Ostern erheblich sanken, hatten wir so unsere Zweifel – aber so schnell geben wir ja nicht auf –  und so haben wir uns auf den Weg nach Torfhaus gemacht, wo unsere erste Etappe starten sollte und – wie sollte es anders sein, wir sind natürlich in strömendem Regen in der Jugendherberge angekommen.

 

 Mehrtagestour Harzer Hexenstieg: Die Anreise

Mit Zug und Bus kommt man eigentlich ganz bequem bis nach Torfhaus und damit zum Harzer Hexenstieg. Doch an diesem Tag sollten mir offensichtlich mehrere Personen begegnen, die meine Geduld und vor allem meine Toleranz wirklich hart auf die Probe gestellt haben.

Da war zunächst der junge Schnösel im ICE, der seinem Kumpel per Handy von seinem Thailandurlaub und seinem Aufenthalt in Dubai erzählt hat. Nicht, dass es mich interessiert hätte, aber er blöckte so laut in sein Handy, dass mir nichts anderes übrig blieb, als zuzuhören. Und so habe ich erfahren, dass es in Thailand fürchterlich heiß und feucht ist und man eigentlich gar nichts unternehmen kann. Ich frage mich kurz, ob er sich vor seiner Reise keine Gedanken über sein Reiseziel gemacht hat, als wieder meine ganze Aufmerksamkeit, eigentlich will ich ja gar nicht zuhören, gefragt ist. Jetzt geht es nämlich um seinen Rückflug von Dubai. Irgendwie ist wohl sein Flug ausgefallen und man hat den Fluggästen einen Flug für den nächsten Tag und eine Hotelübernachtung angeboten. Wie ich nun erfahre, ist der Kerl aber nicht doof und lässt sich von den Scheichs nicht verarschen. Er hat bezahlt und will fliegen. Also lässt er sich umbuchen, fliegt von A nach B, weiter nach C und landet letztendlich 4 Stunden später als all jene, die ins Hotel gegangen sind in, tja nicht mal in Köln , wo er hin wollte, sondern in Düsseldorf. Aber wie er mehrfach betont, er ist ja nicht blöd, denn jetzt will er von der Fluggesellschaft 600 Euro für die Strapazen.

Ein Glück ist entweder der Empfang schlecht oder der Akku leer, jedenfalls ist das Telefonat gerade in dem Moment zu Ende in dem ich am liebsten aufgestanden wäre und ihn gefragt hätte, ob er sich eigentlich selbst zuhört. Bis nach Bad Harzburg bleibt dann auch alles ganz ruhig.  Doch als wir dort in den Bus steigen, habe ich wirklich Probleme die frei werdenden Radikale noch unter Kontrolle zu halten. Wir hatten in Goslar gleich ein Ticket bis Torfhaus gezogen, doch als wir in Bad Harzburg ankamen, war unser Bus weg und wir mussten eine Stunde warten.

Als der Bus endlich kommt, kontrolliert der Fahrer unsere Tickets sehr genau und faselt etwas von 90 Minuten Gültigkeit. Wohlgemerkt auf den Tickets steht 3 Stunden Gültigkeit. Ohne überheblich klingen zu wollen, versuchen wir ihm klar zumachen, dass 90 Minuten mit Nichten 3 Stunden sind und er lässt uns grummelnd passieren. Ganz anders den Vater mit Kind und Buggy. Sohnemann will gerne vorne sitzen aber der Fahrer weigert sich loszufahren, wenn die Beiden nicht neben dem Buggy sitzen. Statt, dass der Vater seinem Sohnemann sagt, er solle eben in der 5. statt in der 1, Reihe sitzen, wird natürlich erst einmal diskutiert und als die beiden einen Konsens erreicht haben kann es endlich losgehen und kurze Zeit später stapfen wir durch den Regen zur Jugendherberge. Wir essen noch (bitte jeder nur ein Stück Fisch, warum wundert es mich eigentlich nicht, als ich besagten Vater beim Abendendessen bei einem Pip pip pip wir haben uns alle lieb, wiedersehe?) und gehen früh ins Bett. Irgendwann gelingt es uns auch, trotz der Familiendramen in den Nebenzimmern einzuschlafen.

 

 1.Etappe auf dem Hexenstieg von Torfhaus zum Brocken

Ausgeruht brechen wir schon früh zu unserer Mehrtagestour auf dem Harzer Hexenstieg auf und lassen Torfhaus hinter uns. Die Siedlung wurde übrigens bereits 1713 als der Torfabbau in der Umgebung begann gegründet. Auf einem netten kleinen Weg folgen wir Goethes Spuren, der ebenfalls von Torfhaus aus seine erste Brockenbegehung startete. Wir lassen das Torfhäuser Moor links liegen und laufen durch einen schönen Wald mit viel Bodenbewuchs.

 

Weg hinter Torfhaus

 

HHexenstieg Aufstieg Brocken

Steil wird es eigentlich erst, als wir an den Kolonnenweg kommen. Der Kolonnenweg ist Teil der innerdeutschen Grenzanlagen und diente zu DDR Zeiten dazu die Grenze möglichst schnell mit Fahrzeugen zu erreichen. Noch heute besteht der Weg aus Betonplatten und ist nicht wirklich schön zu laufen.

Oben angekommen folgt der Weg den Schienen der Harzer Brockenbahn und steigt nur mäßig an. Ein wirkliches Erlebnis ist es, wenn die historische Dampflok der Brockenbahn einen in den Nebel taucht. Es stinkt zwar etwas aber man fühlt sich sofort in vergangene Zeiten zurückversetzt.

Brockenbahn

Der Weg ist hier zwar breit aber sehr schön und überall sickert Wasser aus den Torfböden. Leider endet der Weg gut einen Kilometer unterhalb des Brockens und wir müssen die restliche Strecke auf einem breiten Asphaltweg zurücklegen. Ober angekommen stehen wir im Nebel und sehen die Hand vor Augen nicht. Tja war wohl nichts mit der tollen Aussicht vom Brocken, allerdings haben wir auch Probleme das Hotel zu finden, da wir wirklich nichts sehen. So folgen wir einfach den anderen, die sich bei diesem Wetter hierher verirrt, haben und werden tatsächlich fündig. Wir essen im siebten Stock und zumindest die Bilder im Restaurant geben uns eine Ahnung davon, wie schön die Aussicht ist, denn wir sehen nur Nebel. Als wir nach dem Essen vom Haupthaus ins Nebengebäude, in unser Zimmer wollen, sitzt plötzlich ein Fuchs auf dem Weg. Kein Problem denke ich, wenn der uns bemerkt sucht er das weite. Doch Pustekuchen, der lässt sich von uns nicht die Bohne beeindrucken und bleibt einfach sitzen. Ich vermute zwar bereits, dass er einfach an Menschen gewöhnt ist, möchte das Risiko, dass er ja auch genauso gut Tollwut haben könnte, nicht eingehen. Also stapfen wir zurück zum Aufzug und erfahren im Restaurant, dass es der Brockenfuchs sei und wir einfach vorbei gehen sollen. Wieder unten angekommen ist er dann weg und wir schleppen uns müde in unser Zimmer.

 

2. Etappe vom Brocken nach Drei Annen Hohne

Als wir am Morgen aufwachen, liegt überall dick Raureif und es sieht fast so aus als hätte es geschneit.

Brocken Frost am Morgen

Hexenstieg Frost

Nach einem wirklich tollen Frühstück bestätigt uns die Frau im Hotel, was wir schon befürchtet haben, es geht erst einmal ein ganzes Stück auf dem breiten Asphaltweg weiter. Als wir loslaufen, reißt es immer wieder für kurze Zeit auf und wir haben einen tollen Blick.

Blick vom Brocken

Wir laufen gute 3 Kilometer auf Asphalt durch einen abgestorbenen Wald und haben die Hoffnung auf einen schöneren Weg schon fast aufgegeben, als wir endlich auf einen kleinen Pfad abbiegen können. Inzwischen scheint die Sonne und wir laufen durch einen schönen Wald. Der schöne Wald bleibt uns bis kurz vor Drei Annen Hohne erhalten, der schmale Pfad leider nicht, denn er geht schon nach wenigen Kilometern in einen Forstweg über. Wir genießen die Ruhe und das Unterwegssein, sind aber etwas enttäuscht, denn schließlich zählt der Hexenstieg zu den Top Trails of Germany.

Hexenstieg Forstweg

Wir erreichen drei Annen Hohne am frühen Nachmittag und können noch die letzten Sonnenstrahlen auf der Terrasse des Hotels genießen.

Wir lassen den Tag gemütlich ausklingen und beim Abendessen wird es dann noch einmal Hecktisch. Der Grund: Während wir in aller Ruhe essen, baut eine Band ihre Gerätschaften aus und ihr Aussehen (Lederhosen und Dirndl) lassen nichts Gutes erwarten.

Tatsächlich schaffen wir rechtzeitig mit dem Einsatz der Musik den letzten Happen zu verzehren und verlassen fluchtartig das Restaurant. Beruhigt stellen wir fest, dass die Musik nicht bis in unser Zimmer zu hören ist.

 

3. Etappe von Drei Annen Hohne nach Hasselfelde

Ich wache etwas gerädert auf und frage mich, warum eigentlich alle Hoteliers offensichtlich der Meinung sind, dass man auf weichen Matratzen besonders gut schläft. Nach einem reichhaltigen Frühstück brechen wir zu unserer längsten Tour auf dieser Wanderung auf. Auf einem kleinen Pfad entlang der kalten Bode gelangen wir nach Königshütte, wo sich der Hexenstieg teilt.

Harzer Hexenstieg 3. Etappe

Bei mäßigem Regen wählen wir die Südvariante und gelangen auf einem breiten Forstweg in das Tal der warmen Bode. Große Steigungen müssen wir nicht überwinden, doch der Weg zieht sich und wir begegnen, abgesehen von zwei Männern in einem slowakischen Auto keiner Menschenseele, was schon fast etwas unheimlich ist. Etwas abgelatscht erreichen wir die Rappbode Vorsperre und entlang der Hassel Vorsperre wird der Weg noch einmal richtig schön.

Weg nach Hasselfelde

In Hasselfelde angekommen, finden wir schnell unser Hotel. Doch dann wartet noch eine echte Herausforderung auf uns, denn unser Zimmer befindet sich im 3. Stock und natürlich gibt es in dem Haus aus dem vorherigen Jahrhundert keinen Aufzug.

Nach einer ausgiebigen Dusche haben wir uns so weit erholt und wagen den Abstieg in das Restaurant, wo wir wirklich klasse essen. Allerdings hatten wir zeitweilig die Befürchtung, der Koch könne, bevor das Essen fertig ist, unter der spüle landen, denn er hat sich ein Bier nach dem anderen geholt.

 

4. Etappe von Hasselfelde nach Altenbrak

Da heute nur schlappe 12 Kilometer auf dem Harzer Hexenstieg vor uns liegen, haben wir einfach mal etwas länger geschlafen. Das Frühstück ist einfach aber okay.

Nicht okay ist hingegen ein Gast, der sich tierisch aufspielt, weil es nur Vollkornbrötchen gibt, die Bedienung seiner Meinung nach nicht gut genug gekleidet ist und und und. Irgendwann platzt mir echt der Kragen. Am liebsten würde ich ihm sagen, dass er doch bitte mal seinen eigenen Kleidungsstil überdenken solle und vor allem sein benehmen, doch das spare ich mir. Stattdessen sage ich nur laut: „Okay, jetzt haben wir es alle gehört und jetzt würde ich gerne in Ruhe weiter frühstücken“. Er wirft mir ein: „Wenn es ihnen hier nicht passt“ entgegen und verlässt wutschnaubend den Raum. Als er auf der Höhe unseres Tisches ist, habe ich kurz die Befürchtung er könnte handgreiflich werden aber das traut er sich dann wohl doch nicht.

Trotzdem bin ich froh, als wir den Ort durch den Kurpark verlassen.

Wiesenweg hinter Altenbrak

Wir laufen zunächst durch Felder und Wiesen und gelangen dann auf den Köhlerpfad und freuen uns, dass wir nicht schon wieder auf einer Waldautobahn gelandet sind.

Nach einigen Kilometern erreichen wir das Stemberghaus, wo noch heute Holzkohle produziert wird. Auf den Besuch des kleinen Köhlereimuseums verzichten wir und gönnen uns stattdessen eine waschechte DDR-Cola. In dem kleinen Stemberghaus tanzt der Bär, es gibt unsägliche Livemusik und ausgelassene Gäste. Ich bin froh, dass ich den Raum mit meinen Getränken in der Hand nach kurzer Zeit ohne nennenswerte Schäden verlassen kann.

Die Gläser muss Jana zurückbringen, ein zweites Mal gehe ich da nicht rein. Frisch überzuckert machen wir uns auf die letzten Kilometer nach Altenbrak und können unser Glück kaum fassen, denn der Pfad wird immer schmaler.

Weg nach Altenbrak 2

Gleich fällt das laufen viel leichter und wir kommen nicht umhin, dem Hexenstieg ein paar Pluspunkte zu geben. Nach einem tollen Aussichtspunkt geht es auf dem schmalen Pfad steil runter nach Altenbrak.

Weg nach Altenbrak 3

Hexenstieg Blick auf Altenbrak

Unten angekommen sehen wir auf dem gegenüberliegenden Berg ein Haus mit der Aufschrift Fontane. Unsere Pension heißt zwar Theodor Fontane aber so recht wollen wir nicht glauben, dass wir noch einmal etliche Höhenmeter hoch müssen.

Der Weg bis in den Ort zieht sich und die böse Vorahnung wird mehr und mehr zur Gewissheit – es handelt sich bei besagtem Haus tatsächlich um unsre Unterkunft. Schon beim Aufstieg überlegen wir uns heute Abend auf ein warmes Essen zu verzichten und auf unser Proviant zurückzugreifen, denn wir haben beide keine Lust den Weg noch einmal zurückzulegen.

Oben angekommen stellen wir erleichtert fest, dass wir hier bis 20.00 Uhr auch etwas zu essen bekommen, denn wir sind nicht nur am Arsch der Welt, sondern auch mitten drin in der ehemaligen DDR. Von der Tapete, der Einrichtung über die Deko und das alte Radio bis hin zu einigen Gerichten, die angeboten werden – hier ist tatsächlich die Zeit stehen geblieben.

 

5. Etappe von Altenbrak nach Thale

Von Altenbrak gelangen wir in das Tal der Bode und werden tatsächlich für all die breiten Forstwege, die wir bisher auf dem Harzer Hexenstieg gelaufen sind, entschädigt.  Wir folgen der Bode bis  Treseburg und es geht mehr oder weniger eben daher.

Weg durch das Bodetal

In Treseburg beginnt der sogenannte „Grand Canyon“ des Harzes.  Da wir auf unserer Tour ja schon des Öfteren von den Wegen auf dem Harzer Hexenstieg enttäuscht waren, schrauben wir unsere Erwartungen nicht zu hoch. Doch dann wird es noch einmal richtig schön.  Auf einem schmalen Pfad oberhalb der Bode geht es bis nach Thale und kurz vor Ende der Bodeschlucht wird es sogar fast alpin.

Knochiger Baum

Bodeschlucht 2

Allerdings ist es auf diesem Abschnitt des Hexenstieges auch merklich voller. Dennoch ist dieser Teil mit Abstand der schönste. In Anbetracht der Landschaft können wir auch über den ein oder anderen Wanderer hinwegsehen.

Weitere Informationen zum Harzer Hexenstieg

 

Warst du auch schon auf dem Hexenstieg wandern? Oder steht er vielleicht auf deiner ToDoListe? Ich freue mich auf einen Kommentar von dir.

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