Zuletzt aktualisiert am 30. September 2019 um 12:11

Dieselmal nehme ich dich mit auf eine Tour, die dir Köln von seiner Grünen Seite zeigt und zwar auf den Grüngürtelweg

Der Grüngürtelweg mit dem Fahrrad

Der Grüngürtel und seine Geschichte

Köln und grün, geht das überhaupt? Klar geht das, denn in Köln gibt es den Grüngürtel und der hat bereits eine echt lange Tradition. Der Grüngürtel ist für die meisten Kölner ein Begriff, doch woher der grüne Gürtel, der heute als Naherholungsgebiet dient, eigentlich kommt wissen die wenigsten.

Radtour Köln

Im 19 Jahrhundert hatten die Preußen einen Befestigungsring rund um Köln angelegt, von dem heute noch einige Forts zeugen.

Radfahren in der  grünen Seele Kölns 1

Nach der Niederlage im ersten Weltkrieg musste dieser Ring abgerissen werden. Der damalige Bürgermeister von Köln, Konrad Adenauer, schlug den Engländern vor, den Verteidigungsring als Park zu nutzen. Seine Intention war es, dass Familien und vor allem Kinder einen Zugang zu unberührter Natur haben. So entstanden, mit Zustimmung der Engländer, auf dem Gelände bereits in den 20er Jahren erste Freizeit- und Sportanlagen und bis heute ist der Grüngürtel vermutlich das beliebteste Naherholungsgebiet der Kölner.

 

Auch auf der Schääl Sick gibt es einen Grüngürtel

Während der Grüngürtel auf der linken Rheinseite tatsächlich ein geschlossenes Band um Köln zieht und auf jedem Stadtplan deutlich zu erkennen ist,tut sich die sogenannte Schäl Sick hier etwas schwerer. Doch auch wenn nicht so deutlich erkennbar und deutlich zersiedelter als auf der linken Rheinseite, so bilden auch hier Friedhöfe, Kleingartenanlagen und Sportanlagen ein grünes Band.

 

Grüngürtelweg unter der Lupe

2015 wurde mit viel Aufwand der ca. 63 Kilometer lange Wanderweg“ Mein Grüngürtel“ angelegt und feierlich eröffnet. Zahlreiche Hinweisschilder und eine eigens für den Weg kreierte App machen das Verlaufen quasi unmöglich. Fragt sich nur, ob sich all dieser Aufwand lohnt, denn schließlich gibt es mit den Kölnpfad bereits einen Wanderweg rund um Köln. Und auch der Grüngürtel verfügt über zahlreiche ausgeschilderte Rad- und Wanderwege. Genau dies war die Frage, die mich dazu bewegt hat, den Grüngürtel Rundweg mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

 

Den Grüngürtelweg erkunden: Zu Fuß oder doch lieber mit dem Rad?

Ganz ehrlich, ich wandere für mein Leben gern aber ich hatte mich ganz schnell für das Fahrrad entschieden, um den Grüngürtelweg zu erkunden. Die Vorstellung durch Wohnsiedlungen zu laufen oder zwischen Lkws, Containern und Natur das Niehler Rheinufer zu erwandern, hat meinen Entschluss nur noch gefestigt. Dies soll nicht heißen, dass der Weg hier nichts zu bieten hat, sondern nur, dass ich solche Abschnitte lieber mit dem Rad erkunde.

 

Meine Tour auf dem Grüngürtelweg

Ich starte, da für mich am praktischsten, an der Haltestelle Kalk Friedhof, wo ich fröhlicher Dinge aus der Linie 1 aussteige. Ich tauche direkt in die Merheimer Heide ein, die übrigens bereits 1929 als Landschaftspark und Naherholungsgebiet angelegt wurde.

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Neben zahlreichen Männern auf Vatertagstour, okay ich hatte den Zeitpunkt falsch gewählt, begegnen mir Reiter, Familien und unzählige Hundebesitzer. Als ich die Merheimerheide verlasse, erwischt mich die Großstadt und etwas weniger naturnah geht es nach Buchheim. Ich passiere nicht nur die viel befahrende Bergisch Gladbacher Straße, sondern schlängele mich auch durch Sozialbauten. Dabei muss ich feststellen, dass sich hier seit meiner Kindheit nicht wirklich etwas verändert hat.

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Den Verkehrslärm noch in den Ohren bin ich aber schnell wieder im Grünen und komme über die Ausläufer von Höhenhaus nach Stammheim.

Ich denke an meinen ersten Schwarm, der in Stammheim gewohnt hat, suche nach dem Haus meiner Freundin aus Schultagen und bin total fasziniert davon, dass Stammheim einfach immer noch ein Dorf ist. So in meiner eigenen Welt gefangen verpasse ich fast die Abzweigung zum Stammheimer Schlosspark.

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Heute sucht man das zum Park gehörige Schloss zwar vergeblich, denn es wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Der dazugehörige Park wurde jedoch von der Bayer AG übernommen und öffentlich zugänglich gemacht. Heute steht der Schlosspark ohne Schloss unter Denkmalschutz. Was mich an dem Park immer wieder begeistert sind nicht nur die zahlreichen exotischen Bäume, sondern die wunderschönen uralten Bäume. Weiter geht es am Rheinufer entlang nach Mühlheim.

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Wo ehemals schäbige Sozialbauten standen,  befinden sich nun Wohnungen mit tollen Terrassen und Rheinblick. Ich komme zu meiner alten Grundschule, die aussieht, wie eh und je. Auch das Haus gegenüber mit dem Torbogen gibt es noch. Hier lebte einmal meine türkische Klassenkameradin und Freundin. Was aus ihr geworden ist weiß ich nicht. Es gab Gerüchte, dass sie zwangsverheiratet werden sollte und, dass der Vater Probleme mit den Grauen Wölfen hatte. Doch all dies hat Mitte der 70er Jahre niemand interessiert.

Bis zur Mühlheimer Brücke lege ich meinen alten Schulweg zurück und bin erstaunt, wie wenig sich hier in den letzten Jahrzehnten verändert hat. Das Büdchen auf der Ecke und die Eisdiele gibt es immer noch. Allerdings ist die Straße jetzt verkehrsberuhigt und an einer Ecke entdecke ich ein nettes Cafe.

Auf der anderen Rheinseite angekommen geht es Richtung Niehl.Vorbei an Stapeln von Containern und LKW Fahrern, die sich den Feiertag um die Ohren schlagen auf der einen Seite und dem recht verwilderten Rheinufer auf der anderen Seite. In Niehl angekommen, staune ich über das Nebeneinander von alten Häuschen, die hier schon seit Urzeiten zu stehen scheinen und hochmodernen Bauten.

Kurz vor den Fordwerken verlasse ich das Rheinufer und nachdem ich mehrere große Straßen überquert habe stehe ich plötzlich wieder mitten im Grünen und der Straßenlärm wird durch Vogelgezwitscher abgelöst.

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Nun geht es eigentlich bis zur Rodenkirchener Brücke grün weiter. Ich befinde mich nun sozusagen im Herzen des Kölner Grüngürtels. Dies merkt man auch daran, dass nicht nur die Bäume älter, sondern die Flächen insgesamt größer sind.

Grüngürtelweg Fahrradtour Köln

Vorbei am Müngersdorfer Stadion, dem Decksteiner und dem Kalscheurer Weiher komme ich schließlich auf dem Grüngürtelweg nach Marienburg und wieder an das Rheinufer.

Grüngürtelweg Fahrradtour Köln

Inzwischen quält mich mein alt bekanntes Problem, ich muss mal. Aber egal wo ich auch lang fahre, ich bin nicht allein. Es hilft alles nichts, bevor ich auf die Rodenkirchener Brücke fahre, muss ich mich irgendwo in die Büsche schlagen, auch auf die Gefahr hin, dass eine Kolonne Vatertagsausflügler mir begegnet. Irgendwann ist die Not so groß, dass mir selbst das egal wäre, aber ich habe Glück, ich finde ein Gebüsch und kann mich sogar ungesehen erleichtern.

Grüngürtelweg Fahrradtour Köln

Mit neuem Elan geht es auf die Rodenkirchener Brücke und am anderen Ufer angekommen durch Poll, was genauso wie Stammheim irgendwie immer noch ein Dorf ist. Ich gelange in das Gremberger Wäldchen, was zu den letzten Überresten natürlichen Waldbestandes in Köln zählt und noch heute als Naherholungsgebiet dient. Vorbei am Vingster Freibad, dem wohl einzigen Naturfreibad, abgesehen von den Badesehen in Köln, geht es zurück an die KVB Haltestelle Kalk Friedhof, wo meine Tour endet.

 

Fazit Grüngürtelweg

Ich gebe zu, der Grüngürtel ist irgendwie ein Bestandteil meiner Kindheit und Jugend. Seien es nun Spaziergänge am Decksteiner Weiher, der Spaziergang mit dem Hund am Niehler Hafen. Aber auch für Leute, die mit all diesen Orten nichts verbinden, kann ich den Weg nur empfehlen, denn er wirft ein ganz anderes Licht auf Köln, als man es so kennt. Aber wo wir schon beim Empfehlen sind. Hut ab vor allen , der diesen Weg erwandern. Für mich als leidenschaftliche Wandererin wär das nichts. Viel zu viel Asphalt und bebaute Gegenden. Mit dem Fahrrad hingegen ist es eine wirklich tolle Tour. Große Straßen und Wohnsiedlungen kann man recht schnell passieren und taucht immer wieder in die Natur aber auch die Geschichte Kölns ein.

Grüngürtelweg Fahrradtour Köln

Übrigens finde ich die Tour auch ideal für Familien, denn da, wo es keinen Radweg gibt, gibt es einen Bordstein und wenn die Tour doch zu lang wird gibt es an ganz vielen Stellen die Möglichkeit in die Straßenbahn zu steigen. Übrigens ist der Grüngürtelweg sehr gut ausgeschildert und auch ohne Karte machbar.

 

 

 

 

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