Egal, wo du auf Mallorca unterwegs bist, den Puig Major kannst du von fast allen Orten aus sehen. Schon auf unserer mehrtägigen Tour durch die Tramuntana war er ein ständiger Begleiter. Mal lag er in den Wolken und mal schien die Kuppel der Radarstation golden in der Sonne. Egal bei welchem Wetter, irgendwie hat mich der Puig Major immer fasziniert. Klar also, dass ich da rauf musste – irgendwann einmal. Bei unserem letzten Wanderurlaub auf Mallorca war es dann soweit. Am letzten Tag haben wir uns an den Aufstieg gemacht, zumindest soweit wie es das militärische Sperrgebiet im Gipfelbereich zulässt.

Unsere Tour am Puig Major

Wir stellen den Wagen an der Ma-10 zwischen Fornalutx und dem Cuber Stausee ab. Etwa bei Kilometer 37 gibt es Platz für ein paar Fahrzeuge. Laut Wanderführer finden hier 12 Autos Platz. Dies setzt allerdings voraus, dass alle umsichtig parken und nicht so als wären sie alleine auf der Welt. Willst du also sicher sein hier noch einen Platz zu bekommen, dann solltest du zu deiner Wanderung am Puig Major nicht zu spät aufbrechen.

Vom Parkplatz aus laufen wir ein paar Schritte auf der Landstraße, bis zwischen Kilometer 37,7 und Kilometer 37,7 rechts ein kleiner Pfad in den Wald führt. Der Abzweig befindet sich unterhalb eines Felsblockes und ist, wenn du die Augen offenhältst eigentlich nicht zu verfehlen.

Puig Major Wanderweg

Pfad zum Puig Major

Schon nach wenigen Metern kommen wir an einen steinigen und auch breiteren Weg, dem wir nach rechts den Berg hoch folgen. Nach etlichen Kurven, laut Wanderführer sind es fünf, kommen wir an eine Steineiche mit einer grünen Markierung. Hier biegen wir rechts auf einen kleinen Pfad ab und kommen nach wenigen Metern in eine Art Graben.

Wir folgen dem Pfad durch ein trockenes Bachbett und kommen in das Tal der Coma de n’Arbona. Total begeistert von der tollen Landschaft steigen wir durch das steile Tal auf einem kleinen, felsigen Pfad hinauf zur Taubenquelle. Die Font des Coloms liegt in einer kleinen Höhle unter einem Felsturm und führt um diese Jahreszeit sogar Wasser.

Wir kommen bei dem steilen Anstieg ganz schön ins Schwitzen und können uns kaum vorstellen, dass hier bis 1927 in speziellen Schneehäusern noch Schnee gelagert wurde. Doch bei unserem Aufstieg kommen wir an zwei Überresten der meist 4 bis 8 Meter tiefen und bis zu 16 Meter langen Gruben vorbei.

Puig Major Schneehaus

Ruine eines Schneehauses

Klingt ja irgendwie unglaublich, dass auf der „Sonneninsel“ bis 1927 das Schneesammeln ein eigenständiges Gewerbe war. Doch bis heute findet man auf der Insel mehr als 40 Ruinen von diesen Cases de neu (Schneehäusern). Die ältesten Dokumente über diese merkwürdige Profession weisen bis ins Jahr 1595 zurück. Bis 1927 war die letzte dieser 4 bis 8 m tiefen und bis zu 16 m langen, in Trockenbauweise ausgekleideten Gruben in Betrieb. Als es noch keine Kühlschränke gab, trugen Nevaters (Schneesammler) den winterlichen Schnee zusammen und verdichteten ihn in den Gruben zu Eis. Geschützt unter Asche, Salz, Reisig und einem Grasdach blieb er dort bis in den Sommer liegen.

Die Mauern der meisten Schneehäuser ragten etwa 1 m über den Boden hinaus und hatten an ihrer Schmalseite eine Öffnung, hinter der man auf einer Leiter oder mittels Wandvertiefungen ins Innere hinuntersteigen konnte. An ihrer Längsseite bestanden Fenster, durch die der Schnee eingefüllt wurde. Das einzige Schneehaus, das mit einem Steindach geschützt ist, duckt sich unter die Felswand des Puig de Ca südwestlich von Pollença. Neben vielen Schneehäusern standen rechteckige Hütten für die Arbeiter. Da und dort erleichterten angelegte Terrassen das Schneesammeln; Trockenmauern grenzten die „Erntegebiete“ voneinander ab. Im Sommer wurde das Eis mit Eseln und Maultieren in der Nacht auf eigens angelegten Schneesammlerwegen ins Tal gebracht. Hier diente es zur Kühlung von Lebensmitteln, Medikamenten und wurde für Erfrischungsgetränke genutzt.

Wir nutzen eine der alten Trockenmauern für eine Pause und steigen anschließend in kleinen Serpentinen weiter auf. Neben uns ragen schroffe Felswände empor und wir gelangen schließlich über eine Steilstufe in den oberen Teil des Tals. Links von uns liegt der Penyal des Migdia und rechts die Serra de Son Torella. Hier ist es einfach unbeschreiblich schön und wir können uns kaum dazu durchringen den Blick wieder auf den kleinen uns felsigen Pfad zu richten, der beim Gehen unsere ganze Aufmerksamkeit fordert. Vor allem aber können wir uns nicht vorstellen, dass es noch schöner wird.

Puig major Felswand

Auf dem Weg zum Puig Major

Über einen Schutt- und Grashang steigen wir die letzten Meter zu einer alten mauer empor. Hinter ihr liegt der 1189 Meter hohe Coll de sa Coma de n’Arbona, ein felsiger Sattel am Ansatz der Serra de Son Torrella.

Als wir den ersten Blick über die Mauer werfen verschlägt es uns fast den Atem, denn wir haben einen unbeschreiblich schönen Blick und können bis in die Ebene der Insel gucken. Viel faszinierender ist jedoch der Blick auf die Bergkette, die vor uns liegt. Auch, wenn man den eigentlichen Gipfel des Puig Major wegen des militärischen Sperrgebietes nicht erklimmen kann, für diese Aussicht lohnt sich der Aufstieg alle Male.

Ausblick

Blick über Mallorca

Fasziniert lassen wir den Blick schweifen, erkennen den ein oder anderen Berg, den wir schon erwandert haben und es fällt uns richtig schwer uns wieder auf den Rückweg zu machen. Kein Wunder, dass bereits 1920 Bergsteiger:innen in aller Frühe hierhin aufstiegen, um den Sonnenaufgang zu erleben. Aber bitte nicht nachmachen, denn damals wurden die Schneehäuser noch genutzt und der Weg war besser ausgetreten als heute.

Wir lassen den Blick noch einmal schweifen und machen uns schweren Herzens an den Abstieg, der auf dem felsigen und steinigen weg noch einmal zu einer echten Herausforderung wird. Obwohl wir denselben Weg wieder absteigen, wird der Rückweg alles andere als langweilig, denn da wir unsren Blick meist auf den Pfad richten mussten, sehen wir nun Dinge, die uns beim Aufstieg glatt entgangen sind.

Blick auf den Cuber Stausee

Blick auf den Cuber Stausee

Mein Fazit zur Wanderung am Puig Major

Für diese Wanderung gibt es ein ganz klares „UNBEDINGT MACHEN“ von mir. Auch, wenn du natürlich auf ein echtes Gipfelerlebnis verzichten musst, lohnt sich die Wanderung am Puig Major in jedem Fall. Von dem Coll de sa Coma de n’Abona hast du einfach einen sagenhaften Blick. Du siehst den Puig Tomir und den Puig de Massanella, den Cuber Stausee , den Puig de ses Vinyes und bei guter Sicht die Inselebene. Dir liegt sozusagen die Tramuntana und die Serra de Son Torrella zu Füßen.

Weitere Informationen zur Wanderung am Puig Major

Anfahrt

Von der Ma-11, der Straße zwischen Sóller und Port de Sóller, bei Km 32 – nahe dem Bahnübergang – Richtung Lluc/Pollença auf die Ma-10 abzweigen. Man fährt dann noch etw 14 km über Sa Bassa (Picknickplatz) in die Waldhänge des Bosc de Monnàber am Fuße des Penyal des Migdia hinauf.

Parken

Es gibt einen Parkplatz für etwa 12 Autos an der Ma-10 zwischen Sóller und Lluc zwischen Km 37,6 und 37,7. Sollte der voll sein, dann kannst du  auch direkt vor dem Tunnel durch die Serra de Son Torrella (Túnel de Monnàber) bei Km 37 dein Auto abstellen.

Puig Major Pfad im Tal

Puig Major Pfad im Tal

Weg und Wegbeschaffenheit

Die Wanderung am Puig Major ist mit Auf- und Abstieg 6 Kilometer lang und es gilt jeweils 340 Höhenmeter zu überwinden. Der Weg beziehungsweise Pfad ist mit Steinmännchen gekennzeichnet und erfordert unbedingt Trittsicherheit und Wanderschuhe. Lass dich nicht von der Kürze des Aufstiegs täuschen, denn es geht recht steil hoch und der Abstieg ist mindestens genauso anstrengend wie der aufstieg. Da auf dem Pfad die meiste Zeit auch loses Geröll liegt, muss jeder Schritt wohl überlegt sein und obwohl eigentlich nirgendwo Absturzgefahr besteht solltest du dich unbedingt auf den Weg konzentrieren. Insbesondere beim Abstieg habe ich meine Wanderstöcke als große Hilfe empfunden. Was den Schwierigkeitsgrad der Wanderung am Puig Major betrifft ist sich die Literatur, wie so oft, uneinig. Ich schließe mich hier dem Kompass Wanderführer an und ordne die Tour als schwer ein. Mit etwas alpiner Erfahrung und ausreichender Kondition stellt sie jedoch kein Problem dar.

 

Wandertipps und Literatur

Wenn du Lust auf mehr Mallorca hast, dann habe ich hier noch ein paar Wanderungen und Informationen für dich

Eine wirklich gute Wanderkarte kann ich dir leider nicht empfehlen, da du die kleinen Wege auf einer Karte eh nicht findest. In der Regel ist auf die Markierung durch Steinmännchen absolut verlass. Zumindest habe ich auf meinen Wanderungen auf Mallorca noch nichts gegenteiliges erlebt. Ansonsten empfehle ich dir Komoot und Outdooraktiv zur Orientierung.

Da sich Mallorca immer mehr zu einem beliebten Wanderziel entwickelt gibt es natürlich auch zahlreiche Wanderführer. Wir haben bisher nur Erfahrungen mit den Wanderführern von Rother affiliated Link, Kompass affiliated Link und dem Outdoor Verlag affiliated Link gemacht. Alle drei haben sich auf ihre Art bewehrt, reichen aber nicht als alleinige Orientierung aus. sinnvoll und nützlich sind sie in erster Linie für die Tourenplanung. Außerdem geben sie einen kurzen Einblick in die Flora und Fauna und halten auch ein paar Tipps zur Reisezeit bereit. Besonders wertvoll fanden wir die Angaben zu der jeweiligen Parksituation in dem Wanderführer von Kompass, da es nicht überall riesen Wanderparkplätze gibt.

Achte auf die Natur
Der Wald steckt voller Überraschungen, beheimatet eine große Artenvielfalt und ermöglicht vielfältige Naturerlebnisse. Damit das so bleibt, müssen wir uns alle an gewisse Regeln halten. Wenn du in die Natur gehst, dann … • nimm bitte deinen Müll wieder mit, und zwar allen, auch den organischen Müll. • sei bitte leise und scheuche keine Tiere auf. • halte dich an die Beschilderung und verlasse die Wanderwege nicht. • knicke keine Äste ab und pflücke keine Gräser und Blumen. • zelte nicht wild. • parke bitte nur auf den ausgewiesenen Plätzen
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Wir werden garantiert noch öfter zum Wandern nach Mallorca kommen. Wenn du also noch Tourentipps für mich hast – immer her damit.

 

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