Die Picos de Europa und der Senda del Cares

Picos de Europa

 

Die Picos de Europa standen eigentlich schon lange auf unserer Wunschliste, doch mit dem Fahrrad waren sie uns bisher einfach zu heftig. Da wir dieses Jahr aber ausnahmsweise mal einen Roadtrip statt eines Radtrips gemacht haben, stand auch einem Abstecher in die Picos nichts im Wege. Na ja und wenn man schon mal da ist, dann muss man natürlich auch den Senda del Cares gehen. So hatten wir uns das zumindest vorgestellt.

 

Die Picos de Europa

Schon nach wenigen Kilometern ist klar, dass wir uns in die malerischen Berge und grünen Täler der Picos bedingungslos verliebt haben. Nicht nur das viele Grün – okay, wir sind im Mai unterwegs – begeistert uns, sondern auch die Viehweiden, wo tatsächlich die Kälber noch mit den Muttertieren zusammenstehen und sich nicht selten sogar ein Stier auf den Weiden befindet. Erstaunt sind wir auch über die vielen Weiden mit zahllosen Pferden.

Picos de Europa 4

Der Nationalpark Picos de Europa gehört zu den ältesten Nationalparks in Spanien und erstreckt sich über die Regionen Asturien, Kantabrien und León mitten im kantabrischen Gebirge in Nordspanien. Immerhin hat der Gebirgszug bergtechnisch einiges zu bieten, denn es gibt 200 Gipfel von mehr als 2000 Metern Höhe und Höhenunterschiede von über 2300 Metern. Die höchsten Berge sind der Torrecerredo (2646 Meter), der Naranjo de Bulnes (2519 Meter) und der Pico Tesorero (2570 Meter). Doch so weit hinaus wollten wir gar nicht. Unser Ziel war die Routa del Cares oder auch Senda del Cares.

 

Anreise und Übernachtung

Als passionierte Radfahrer bewegen wir uns natürlich hauptsächlich auf kleinen Strassen und so kurven wir seit Stunden auf Neben- und Neben-Nebenstraßen durch das Gebirge. Wir sind fasziniert von der Landschaft und irgendwie kommt aus unseren Mündern nichts anderes mehr als „Oh“, „Ah“ und „guck mal da“.

Picos de Europa 1

Wärmend ich schon nicht mehr weiß, wann ich den dritten Gang zuletzt benutzt habe, quält sich unser Auto durch die Berge. Einzige Erholung, die vielen Fotostopps irgendwo im Graben oder an die Felswand gequetscht (Fahradfahren bietet da echt einen Vorteil). Ohne auch nur einen Meter gelaufen zu sein, kommen wir recht ko in de Cabrales an.

Picos de Europa 3

Der Campingplatz ist echt nett, dass Wetter rückt unsere geplante Wanderung allerdings immer mehr in die Ferne. Frei nach dem Motto: was nicht sein darf, dass kann auch nicht sein, checken wir verschiedene Wetterapps, doch alle kommen letztendlich zu demselben Schluss: Gewitter am Nachmittag. Frustriert gehe ich erst einmal duschen und muss echt grinsen, als ich den Waschraum betrete: Eine Mischung aus bayrischer Alm und Westernsaloon untermalt von Hardrockklängen.

Picos de Europa Camping

Ich schwinge mich durch die Saloontüren in die Dusche und genieße das warme Wasser bei „Hells Bells“ und „Highway to hell“. Offensichtlich habe ich einen etwas entrückten Gesichtsausdruck als ich zurück zum Zelt komme, denn meine Tochter fragt mich ernsthaft, ob es unter der Dusche irgendwelche Drogen gibt. Ich grinse nur und sie löchert mich mit Fragen. „Nun sag schon, was ist mit der Dusche los? Wird die plötzlich kalt? Sitzt ein ekelhaftes Tier irgendwo in der Ecke?“ Ich schweige und bekomme ein „Mama du bis fies“ entgegengeschleudert“. 20 Minuten später verlässt auch sie den Waschraum, grinst und singt leise vor sich hin: „Smoke on the water“. Derart gestärkt gehen wir die weitere Planung an: Gewitter am Nachmittag heißt in jedem Fall, dass wir die gesamte Tour hin und zurück nicht an einem Stück laufen können. Also greifen wir zum Handy und versuchen uns ein Zimmer in dem kleinen Hotel in Cain zu reservieren.  Doch Fehlanzeige, alles ausgebucht. Wir kochen noch und überlegen uns dann einfach mal loszulaufen und je nach Wetterlage umzudrehen.

 

Der Sendal del Cares oder besser bekannt als Route del Cares

Der Sendal del Cares war ursprünglich alles andere als ein Wanderweg. In einer kaum vorstellbaren Aktion wurde in den Jahren 1915 bis 1921 ein Wasserkanal in den Felsen geschlagen, um das Wasser des Flusses den Elektrizitätswerken bei Camarmeña und Arenas de Cabrales zuzuleiten. Der Kanal wurde von mehr als 500 Arbeitern, darunter auch Frauen und Kinder durch 71 Tunnel in den Felsen geschlagen.

Senda del Cares 9

Dabei ist es fast verwunderlich, dass diese Baustelle „nur“ 11 Todesopfer forderte. Der heutige Wanderweg wurde zwischen 1945 und 1950 als Wartungsweg für den Kanal angelegt.

Senda del Cares 7

 

Der Senda del Cares: Unsere Tour

 

Gesagt getan machen wir uns am nächsten Morgen früh auf den Weg und finden sogar noch gut einen Parkplatz, was hier zur Hochsaison vermutlich problematisch ist. Trotz schlechter Wetterprognose und Nebensaison sind wir nicht alleine und so wirklich wollen wir uns nicht vorstellen, was hier in der Hochsaison abgeht.

Senda del Cares 8

Anders als in verschiedenen Reiseführern angekündigt, geht es zu Beginn der Tour nicht leicht den Berg rauf, sondern die ersten 3,5 Kilometer sind schon nicht ohne, okay nicht wirklich steil, aber eben auch nicht leicht ansteigend und vor allem erfordern sie unserer Meinung nach Trittsicherheit und festes Schuhwerk, da der Weg hier teilweise recht schmal ist ( also nix Flipflops!)

Senda del Cares 3

Nach dem Anstieg wird der Weg breiter und man steht einfach in einer atemberaubenden Landschaft. Aber nicht nur die Landschaft begeistert, sondern auch die Tierwelt.

Senda del cares 6

Wir freuen uns, als wir den ersten Geier sehen, sind allerdings doch etwas beunruhigt als aus dem einen plötzlich 10 und mehr werden. Sie kreisen auf der Höhe des Wanderweges und verschwinden dann in der Tiefe.  Klar, wir haben auf unserer Tour schon den ein oder anderen Geier gesehen und auch schon mehrere auf einen Fleck, doch dieses Schauspiel ist uns neu. Als wir um die nächste Kurve kommen erklärt sich die, irgendwie doch etwas unheimliche, Situation. In der Schlucht liegt eine tote Kuh. Und obwohl ich bei solchen Szenen im Fernsehen immer weggucke, bin ich total fasziniert. Okay es ist ekelhaft aber es einmal in Natur gesehen zu haben hat schon was. Fasziniert von diesem Schauspiel wandern wir weiter.

Senda del Cares 4

Der Weg ist hier ausreichend breit und mehr oder weniger eben und so kann man den Blick gefahrlos schweifen lassen. Wir wandern noch weiter und als die Wolken arg zu dicht werden kehren wir um. Und obwohl wir den Weg bereits kennen, entdecken wir ständig Neues. Auch, wenn wir die Schlucht nicht ganz durchwandert haben wird sie für uns immer ein tolles Erlebnis bleiben.

Senda del Cares 2

Kurz bevor wir unser Auto erreichen, haben sich bereits dicke Wolken gebildet und es regnet auch leicht. Die auf dem Hinweg noch so leicht zu passierenden Passagen sind bereits sehr rutschig. Dennoch ziehen immer noch Leute los. An ihrer Kleidung und ihrem Schuhwerk können wir sehen, dass es sich hier keinesfalls um erfahrene Wanderer handelt und ein ums andere Mal fragen wir uns, was wohl in den Leuten, die sich in Flipflops oder Shaks, bei aufziehendem Gewitter ins Gebirge begeben vor sich geht.

 

Fazit

Der Weg ist gut geh bar und erfordert abgesehen von den ersten 3,5 Kilometern auch keine außerordentliche Trittsicherheit. Die Landschaft ist atemberaubend und ein echtes Erlebnis. Allerdings dürften sich hier in der Hauptsaison ganze Karawanen bewegen und es ist fraglich, ob es dann nicht besser ist einen der zahllosen anderen Wanderwege in der Umgebung zu wählen, um in die Landschaft der Picos einzutauchen.

Senda del Cares 1

All jenen, die keine Erfahrungen mit Wandern, Gebirge und Wetter haben sei dringend geraten vor der Wanderung den Wetterbericht zu beachten, denn im Gebirge und insbesondere in den Picos kann das Wetter sehr schnell umschlagen und die felsigen Wege werden bei regen zu einer echten Rutschpartie.

 

Weitere Informationen zum Sendal del Cares

Anreise und Parken

Mit dem Bus:

Von Arenas de Cabrales, ca. 5 Kilometer von Poncebos entfernt, fährt ein Bus

Mit dem PKW

Im Ort selbst gibt es nur wenige Parkmöglichkeiten. Wer früh dran ist findet vielleicht noch ein Plätzchen am Straßenrand. Ansonsten befindet sich ca. 2 Kilometer vor Poncebos ein großer Parkplatz – von dort aus fährt regelmäßig ein Bus.

Länge: 21 Kilometer

Aufstieg: 661

Abstieg: 661

Wegbeschaffenheit: Der Weg ist größtenteils in den Felsen gehauen und dementsprechend steinig. Auf der gesamten Strecke gibt es keine Absperrungen. Zwar ist der Weg meist breit genug, denn läuft man immer am Abgrund.

Kennst du die Picos oder möchtest du gerne mal hin? Ich freue mich über deinen Kommentar und beantworte gerne deine Fragen.

 

 

 

Du möchtest meine Schreiberei unterstützen?

Dann nutze doch bei deiner nächsten Amazonbestellung einfach diesen Link (https://amzn.to/2HXn7oV). Dich kostet die Bestellung keinen Cent mehr und ich bekomme ein paar Cent dafür.Gleiches gilt auch für Globetrotter.

 

 

Dir hat der Beitrag gefallen? Dann freue ich mich, wenn du ihn teilst.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die folgende Prozedur ist lästig, wird aber von der DSVGO vorgeschrieben

*

Pflichtfeld, wenn du kommentieren möchtest.