Der Rheinradweg von Andermatt nach Karlruhe

Rheinradweg Titelbild

Von Andermatt nach Karlsruhe – auf den Spuren des Rheins

Für dieses Jahr haben wir uns eine große Tour vorgenommen, denn wir wollen auf dem Rheinradweg von Andermatt nach Karlsruhe fahren.

Die Anreise zum Start des Rheinradweges in Andermatt

Der Wecker klingelt, aufgeregt springen Jana und ich aus dem Bett. Endlich geht es los.
Obwohl wir in unseren Mutter-Kindtouren mittlerweile Routine haben steht diesmal etwas ganz besonderes auf dem Programm, schließlich geht es in die Berge, genauer gesagt nach Andermatt. Wie gewohnt fahren wir mit der Straßenbahn zum Hauptbahnhof und von dort geht es nach Basel. Bisher noch alles wie gewohnt: Das Reisen mit der DB ist mit Fahrrad nicht gerade beschwerdefrei aber das kennen wir ja. Das erste Abenteuer erwartet uns, als wir in Basel umsteigen: Während man bei der Deutschen Bahn oft verzweifelt nach dem kleinen Schild sucht, an dem man erkennt, dass es sich bei dem Waggon, um das Fahrradabteil handelt, wartet die SSB mit riesigen Schildern auf den jeweiligen Türen auf. Toll denken wir, aber nur so lange, bis wir das erste Fahrrad in den Waggon gehievt haben. Hinter dem tollen Schild verbirgt sich eine kleine Ecke in der zwei Fahrräder senkrecht aufgehangen werden können. Da einer dieser Plätze schon besetzt war und der Schaffner schon zur Abfahrt Pfiff hatten wir ein echtes Problem. Also schnell noch Janas Rad rein, alles weitere kann ja während der Fahrt geregelt werden. Als ich mein Rad glücklich am Hacken unter der Decke habe, packe ich Janas Rad ab und nehme es mit in das leere Abteil. Wir lassen uns gerade genervt in die Sitze fallen, als eine Schaffnerin vorbei kommt. Recht unfreundlich erklärt sie mir, dass das ja nun gar nicht ginge.

Rheinradweg Andermatt Panorama

Das Rad müsste drei Waggons weiter nach vorne, da sei noch ein Fahrradabteil. Genauso unfreundlich erkläre ich ihr, dass ich ja wohl kaum meine Tochter allein im Abteil lasse. Wir einigen uns nicht wirklich aber ich gehe mit dem Rad vor das Abteil und sie sagt nichts mehr. Ich muss zwar stehen aber das Problem scheint gelöst zu sein. Zumindest, bis die Minibar durch will. Dafür muss ich das Rad wieder in das Abteil zwischen die ersten Sitze schieben und senkrecht hochheben. Die Minibar kommt auf der Strecke nach Göschenen exakt acht Mal an einem vorbei. Genervt steigen wir in Göschenen aus und oh Wunder der nächste Zug, der uns nach Andermatt bringen soll, ist der absolute Luxus: Ein ganzer Waggon nur für Fahrräder und ein Bahnbediensteter, der beim Verladen hilft. Erleichtert genießen wir die letzten 20 Minuten Zugfahrt. Wir sind jetzt mitten in den Alpen und immer wieder frage ich mich, ob wir uns nicht doch ein bisschen viel vorgenommen haben. In Andermatt empfängt uns ein kalter Wind, wir essen noch etwas und bauen das Zelt auf, dann geht es ab in die warmen Schlafsäcke. Morgen wartet schließlich der Höhepunkt unserer Reise der Oberalppass.

Unterwegs auf dem Rheinradweg

Am nächsten Morgen kaufen wir unser Frühstück im Dorf und essen am Bahnhof. Das wir die 11 km den Pass hoch nicht Radeln war von Anfang an klar, aber die ca. 30 km lange Abfahrt auf die freuen wir uns schon seit Monaten. Oben angekommen noch schnell das obligatorische Foto: Jana vor dem Passschild. Und dann geht es abwärts, Kehre um Kehre und irgendwann sehen wir auch den Rhein zum ersten Mal.

Rheinradweg Abfahrt Oberalppass

Rheinradweg Rhein hinter Quelle

Im Tal angekommen verlassen wir die Straße und es geht auf Wald und Forstwegen weiter. Jetzt kommen wir auch bis an den Fluss und Jana kann aus dem Rhein trinken. Bis wir Trun, unser heutiges Etappenziel erreichen, geht es allerdings noch kräftig bergauf und bergab und das auf Pisten, die für ein Mountainbike besser geeignet sind als für ein vollbepacktes Trekking Rad. Aber die herrliche Landschaft entschädigt uns für die Plackerei.

Rheinradweg Weg
In der Nacht und am Morgen regnet es ununterbrochen. Mit leerem Bauch machen wir uns auf den Weg und finden erst nach 20 km bergauf eine Bäckerei. Wir frühstücken am Bahnhof, denn die nächsten 15 km legen wir mit dem Zug zurück. Eigentlich wollten wir Höhenmeter einsparen aber als wir aussteigen geht es gleich wieder den Berg hoch. Oben angekommen befinden wir uns in einem hübschen Bergdorf. Die Plackerei hat sich also gelohnt zumal eine tolle Abfahrt folgt. Die brauchen wir auch, denn unsere Räder sind so verdreckt, dass man kaum noch schalten kann.

In Bad Ragaz angekommen müssen wir erst einmal unsere Räder abspritzen. Auch am nächsten Tag nur Regen, sodass wir notgedrungen in Lichtenstein Zuflucht in einer Jugendherberge suchen und erst einmal alles, auch unsere Schuhe in den Hauseigenen Trockner werfen. Guter Tipp hier: Nicht an 20 € sparen und das Familienzimmer buchen. Ich bin nämlich in dem Sechsbettzimmer bei geschlossenem Fenster fast wahnsinnig geworden!
Am nächsten Morgen genießen wir das Frühstücksbüffet und machen uns auf Richtung Bodensee. Die Radfahrer werden immer mehr und am See wird es richtig voll. Am Bodensee angekommen bekommen wir noch einen 2X2 Meter Platz auf dem Campingplatz und das Wetter reicht nicht nur zum Trocknen unsrer Klamotten, sondern auch zum Baden.

Da auch am nächsten Tag schönes Wetter angesagt ist, nutzen wir dies für einen weiteren Ruhetag. Na nicht ganz, denn am nächsten Morgen machen wir uns erst einmal auf die Suche nach einem Fahrradladen. Ich habe gestern meinen Tacho verloren und das geht auf solch einer Tour natürlich gar nicht. Wir müssen bis nach Bregenz und erstehen ein sündhaft teures Ding einfachster Machart aber egal, ich will wenigstens wissen was ich zurückgelegt habe. Wieder auf dem Campingplatz gibt es den ersten Ärger, wir stehen ca. 10 cm auf dem Nachbarplatz. Die neuen Nachbarn nehmen es weniger ernst als der Platzbesitzer, schließlich können sie unsere Heringe nutzen. Wir lächeln und machen uns auf zum See. Ausgeruht machen wir uns wieder auf den Weg. Eigentlich hatten wir gehofft nun eben daher radeln zu können, aber die ständigen Steigungen werden uns noch mehrere Tage begleiten. Unsere Kräfte scheinen auf einem Tiefpunkt zu sein, denn jeder kleine Hügel ist mittlerweile eine Qual. Aber, wo es hoch geht, geht es auch wieder runter und so verlieren wir nicht die Lust.

Rheinradweg landschaft

Und ab Basel wird es dann tatsächlich eben. Weiter geht es über Neuenburg nach Breisach, wo wir auf die französische Seite wechseln und immer entlang des Rhein – Rhone – Kanals Straßburg erreichen.
Für die letzte Etappe wählen wir die französische Seite, denn Jana wollte so gerne auch mal nach Frankreich. Mittlerweile sieht der Rhein so aus, wie wir ihn aus Köln kennen und wir sind uns schnell einig, er riecht auch wie in Köln. Die Route führt durch nette kleine elsässische Dörfer, doch leider oft auch über Straßen. Kurz vor Karlsruhe wollen wir mit der Fähre übersetzen, doch da hat uns das Rhein – Hochwasser bereits eingeholt. Die Fähre fährt nicht mehr und auch der Radweg steht Streckenweise unter Wasser. Auf Umwegen erreichen wir Karlsruhe. Der Radweg führt durch Grünanlagen direkt bis zum Bahnhof. Und dann stehen wir da, nach 813 km am Ziel unserer Reise und können es fast nicht glauben, dass alles so gut funktioniert hat.

Fazit zum Rheinradweg
Mit dem nötigen Interesse ist der Rheinradweg mit Kind gut zu bewältigen. Wichtig ist allerdings, die Etappen nicht zu lang zu planen. Immer wieder gibt es Dinge, die Besichtigt werden können. Meiner Tochter reichte allerdings der Rhein und wie er sich mit jedem Km verändert völlig aus. Die Steigungen in den Alpen können mit dem Zug überwunden werden und alle anderen sind nicht so lang, dass man nicht auch mal schieben kann.
Die Campingplätze an der Strecke sind alle sauber und kosten zwischen 7,50 – 19.00 €. Allerdings gibt es auf den wenigsten Campingplätzen eine Einkaufsmöglichkeit, sodass man für das Frühstück vorsorgen sollte.

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2 Gedanken zu „Der Rheinradweg von Andermatt nach Karlruhe

  1. Danke und ich bin mir sicher, dass ich mal wieder in die Gegend komme. Nachdem ich sie jetzt schon mit dem Motorrad und dem Fahrrad erkundet habe wird es Zeit bei euch auch einmal zu wandern.
    Liebe Grüße
    Anja

  2. Toller Bericht. Wir würden uns natürlich freuen Sie wieder bei uns als Gäste in Andermatt begrüssen zu können.

    Alpenfrische Grüsse
    Ferienregion Andermatt

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