Zuletzt aktualisiert am 29. September 2019 um 17:15

Also eine organisierte Gruppenreise geht bei mir aus zwei Gründen gar nicht. Erstens stört mich das organisierte. Ich entscheide gerne selbst und spontan, wann ich aufstehe, wann ich mich auf den Weg mache und wann es Zeit für etwas zu essen ist. Und was eigentlich noch viel wichtiger ist: Ich möchte selbst entscheiden können wann ich wo wie lange bleibe. Zweitens halte ich mich zwar für einen toleranten, kontaktfreudigen und offenen Menschen aber die Vorstellung meinen Urlaub mit einer Gruppe fremder Menschen zu verbringen ist mir ein Graus. Sicher gibt es auch in solchen Gruppen nette Menschen und vielleicht ist mir auch die ein oder andere Bekanntschaft oder sogar Freundschaft durch die Lappen gegangen, weil ich noch nie an solch einer Reise teilgenommen habe aber nein – vielleicht im hohen Alter aber noch kommt so was nicht in Frage. Dabei soll das in keinem Fall all jene abwerten, die gerne Gruppenreisen machen. Ich denke das ist einfach eine Frage des Typs und der Erwartungen, die man eine Reise hat.

Kommt als nächste Form die Gruppenreise mit Freunden in Frage. Auch hier hab ich so meine Probleme. Klar mal ein verlängertes Wochenende mit dem Rennrad oder eine Woche Skifahren, das geht schon aber auch nur unter Vorbehalt. Das fängt schon mit den Basics an Campingplatz beziehungsweise im Winter eine einfache Hütte oder Hotel? Ich steh ja eher auf die einfachere Variante. Dann geht es beim Radfahren weiter mit den Pausen: Klar Sinn und Zweck des Rennrad Fahrens ist es zu fahren, ich mach aber eben gern mal eine Pause, genieße die Landschaft und – natürlich in der Szene ein NOGO – eine Zigarette. Dafür geht mir das abendliche Bier am Arsch vorbei und bevor ich nur blöden Smalltalk halte verkrümmel ich mich lieber mit einem Buch im Bett. Das hat dann wieder zig dumme Fragen zur Folge: „Anja was ist?“ „Anja geht es dir nicht gut“. „Anja gefällt es dir nicht?“ Also auch nicht so das Gelbe vom Ei aber durchaus machbar und trotz allem meistens witzig.

Dann gibt es noch zwei  absolute NOGOES für mich in der Reisekonstellation. Das ist einmal Pärchen Plus, und eine Reise mit einer anderen Mutter samt Kindern. Ersteres habe ich in 6 Wochen Südamerika getestet und kann nur sagen Drei sind einfach einer zu viel, den Rest überlasse ich eurer Fantasie. Zweiteres habe ich über Ostern mit einer wirklich guten Freundin in einer Ferienwohnung auf dem Bauernhof ausprobiert und es war eine Katastrophe. Dabei dachte ich bis zu unseren ersten Stunden im gemeinsamen Urlaub, wir hätten durchaus gemeinsame Erziehungsvorstellungen. Der erste Schock hat mich getroffen als sie mich mit dem Auto abgeholt hat: Wir hatten einen Rucksack für uns beide und der gesamte Kofferraum war schon voll mit Spielen. Der nächste traf mich wenige Minuten nach der Ankunft: Die Kinder waren in den Stall gelaufen und kurz darauf kamen die Kinder meiner Freundin zurück und waren sauer, weil die Kühe sich nicht streicheln ließen. Kurz und gut, während meine Tochter stundenlang bei den Kühen saß und sie dann tatsächlich streicheln konnte mussten die Kinder meiner Freundin von Morgens bis Abends bespaßt werden.

Das absolute Highlight ist für mich das Reisen mit einem Partner, der passt. Man kann sich austauschen, man kann sich helfen und man ist eben nicht allein, aber es muss auch passen und was passt hängt meiner Meinung nach auch von der Art zu reisen ab. Ich war mehrmals in Latein- und Südamerika mit dem Rucksack unterwegs mit einem Mann, der zumindest ein Teil der bereisten Länder kannte und perfekt spanisch sprach – einfach super! Dann hat mich das Motorradfieber gepackt. Und ich bin viele Jahre mir einem eingefleischten Motorradfahrer durch Europa gezogen. Es hat einfach gepasst, wir hatten die selben Interessen, die selben Ansprüche oder eben nicht Ansprüche.

IMG_7931

Aber der absolut beste Reisebegleiter ist mir vor ca 10 Jahren über den Weg gelaufen. Wir kennen uns schon länger aber vor 10 Jahren haben wir unser erstes Abenteuer gestartet. Na neugierig geworden? Es handelt sich um meine Tochter. Unsere erste Radreise führte von Moers nach Rotterdam und damals waren selbst meine Eltern kurz davor mir den Kinderschutzbund auf den Hals zu hetzen, denn meine Tochter war gerade mal 6 Jahre alt. Seither haben wir drei Alpenüberquerungen gemacht, waren in Holland, Dänemark, Slowenien, Kroatien, Italien, Österreich, der Schweiz und Lichtenstein. Und es passt einfach alles. Wir sind uns einig oder werden uns einig über Pausen und Ruhetage, darüber ob wir das Zelt bei der Ankunft gleich aufbauen oder erst später oder eben gar nicht, weil wir zu faul sind und eine Nacht im Freien immer wieder toll ist. Und was ganz wichtig ist: Keiner stört sich an dem Chaos im Zelt.

Alltägliches Chaos

Wenn ich nicht mit meiner Tochter unterwegs bin fahre ich am liebsten allein, da es im Moment an der passenden Begleitung fehlt. Es ist zwar nicht so prickelnd, wenn einem dann mitten in der Pampa der Reifen platzt oder man an einem Alpenpass in der Mitte von unten und oben steht und alle Kräfte einen verlassen haben aber zumindest letzteres lässt sich ja vermeiden. Und es ist allemal besser als faule Kompromisse.

Das ist meine persönliche Sicht der Dinge. Wie andere das sehen kannst du bei Robin von Travel Forever nachlesen.

Dir hat der Beitrag gefallen? Dann freue ich mich, wenn du ihn teilst.