Unter den Wanderwegen gibt es sogenannte Top Trails, Premiumwanderwege und Prädikatswege. Damit ein Wanderweg eine dieser begehrten Bezeichnungen erhält, muss er die verschiedensten Kriterien erfüllen. Doch ist es letztendlich bei Wanderwegen nicht genauso wie bei Klamotten und Essen – die Geschmäcker sind verschieden?
Auf meiner letzten Wanderung auf dem Mullerthal Trail habe ich mich deshalb gefragt, welche Kriterien ein Wanderweg eigentlich für mich persönlich erfüllen muss, um in meine, natürlich ganz subjektive Liste der Top Trails aufgenommen zu werden. Und tara, hier gibt es das Ergebnis:

 

Kriterium Nr 1: Die Wegbeschaffenheit

Ganz klar das wichtigste Kriterium für mich ist die Wegbeschaffenheit. Ich hasse Forst- und Wirtschaftswege und zum Todschlagargument für einen Wanderweg werden längere Strecken auf Asphalt. Ich liebe kleine Pfade über Stock und Stein.

Kleiner Pfad Mullerthal

Gerne können auch kleine Stiege, Treppen oder Brücken eingebaut sein. Wichtig ist mir die Abwechslung. Ich habe gemerkt, dass ich wesentlich mehr Wegstrecke schaffe, wenn ich wirklich hingucken muss, wohin ich trete und das meine Kondition schlagartig nachlässt, wenn es auf einen Forstweg geht.

Mullerthal Trail schmaler Pfad

Ähnlich geht es mir mit den Höhenmetern. Lieber einen kurzen, knackigen Anstieg gefolgt von einem Auf und Ab als stetig bergauf. Wenn dann noch die Landschaft einiges zu bieten hat, ist das toll, allerdings kein Muss, denn ich finde in der Regel am Wegesrand immer irgendetwas, was mich begeistert.

 

Kriterium Nr. 2: Übernachtungsmöglichkeiten am Weg

Da ich meistens mehrere Tage unterwegs bin, sind Übernachtungsmöglichkeiten für mich ein ganz wichtiges Thema. Ich finde es mehr als ätzend, wenn ich zusätzlich zu den Kilometern auf dem eigentlichen Wanderweg abends noch mehrere Kilometer zurücklegen muss, um irgendwo zu übernachten und am nächsten Morgen eben diese Kilometer noch einmal laufe, um wieder auf den Weg zu kommen.

Jugendherberge Beaufort

Da ich für eine Übernachtung auch nicht so viel Geld ausgeben möchte und kein 4 Sterne Hotel brauche, um meine müden Knochen in ein eh unbequemes Bett zu legen, haben Wanderwege mit billigen Übernachtungsmöglichkeiten, egal nun ob Campingplatz, Jugendherberge oder Pension, an der Wegstrecke oder zumindest in unmittelbarer Nähe schon von vorneherein einige Pluspunkte.

 

Kriterium Nr 3: Der öffentliche Nahverkehr am Weg

Gerade wenn man mehrere Tage unterwegs ist, kann immer mal irgendetwas passieren, weswegen man eine Tour abkürzen oder auslassen möchte. Das können Blasen sein oder einfach nur die Wetterbedingungen. Ich empfinde es als äußerst angenehm, wenn man dann sein Etappenziel mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichen kann und nicht viel Geld in ein Taxi investieren muss.

 

Kriterium Nummer 4: An- und Abreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Mal ganz abgesehen vom Umweltaspekt, bei einer Streckenwanderung ist es einfach sehr praktisch, wenn man kein Auto am Ausgangspunkt stehen hat, sondern gleich in den Zug oder Bus Richtung Heimat steigen kann.

 

Kriterium Nummer 5: Die Wegmarkierung

Da ich immer noch mit der Landkarte in der Hand durch die Gegend wandere. Gute topografische Karten aber immer schwerer zu bekommen sind, weiß ich eine gute Wegmarkierung zu schätzen, denn man muss nicht an jeder Weggabelung die Karte aus der Jackentasche pfriemeln um dann, wie es leider bei vielen erhältlichen Karten der Fall ist, eh nur raten zu können, wo man gerade ist und wie es weiter geht.

Wegmarkierung Mullerthal Trail

Mehr Ansprüche stelle ich eigentlich gar nicht. So sind mir beispielsweise Einkehrmöglichkeiten am Weg relativ egal. Na ja ausgenommen wenn ich meine Tage habe, dann sind sie schon ganz praktisch. Ansonsten habe ich meine Verpflegung dabei. Wichtiger wäre dann eher die Möglichkeit unterwegs in einem Supermarkt oder gerne auch Hofladen das Proviant aufzustocken, doch auch dies ist bei einigen Tagen nicht wirklich erforderlich.
Erfüllt ein Wanderweg diese Kriterien nicht oder nur teilweise heißt das übrigens nicht, dass ich die Wanderung mies fand oder Ähnliches, er wird dann nur nicht in meine ganz persönlichen Top Trails aufgenommen. Spaß hatte ich bisher auf allen Wegen, die ich gegangen bin.
So nun aber zum Mullerthal Trail

 

Der Mullerthal Trail und die Wegbeschaffenheit

Der Mullerthal Trail ist kein Weitwanderweg im eigentlichen Sinne, wobei hier im eigentlichen Sinne bedeutet, dass er nicht über mehrere Kilometer von A nach B führt. Er besteht vielmehr aus drei Schleifen, die sich auch in der Wegbeschaffenheit unterscheiden.

Mullerthal Trail Felsenweg

Wir sind die Route 2 und 3 gelaufen und konnten deutliche Unterschiede in der Wegführung feststellen. Die Route 2 verläuft ausschließlich über kleine Pfade und geht nicht nur über Stock uns Stein, sondern auch durch schmale Felsspalten. Eigentlich ist auf den gesamten 37 Kilometern für Spannung und Abwechslung gesorgt.

Mullerthal Trail Route 3
Auf der Route 3 sind die Wege insgesamt breiter und es finden sich auch Teilstücke auf Wirtschaftswegen uns sogar Asphalt, doch auch hier hat man großen Wert auf die Streckenführung gelegt und so streift man beispielsweise über längere Strecken durch den Wald, statt über den nahegelegenen Wirtschaftsweg zu gehen. Ein richtiger Weg ist nicht zu erkennen aber die sehr gute Markierung macht es quasi unmöglich sich zu verlaufen und das Gefühl quasi quer Feld ein zu laufen ist wesentlich schöner, als sich über einen asphaltierten Forstweg zu schleppen.

Mullerthaltrail Querfeldein

 

Übernachtungsmöglichkeiten am Mullerthal Trail

Ehrlich gesagt fällt mir gerade kein Weitwanderweg ein, an dem es so viele Campingplätze gibt, wie am Mullerthal Trail. Mehr oder weniger direkt am Weg findest du in Echternach, Rosport, Born, Müllerthal, Berdorf, Larochette und Beaufort Campingplätze.

Jugendherberge Echternach

Außerdem gibt es in Echternach* und Beaufort* jeweils ganz neue Jugendherbergen, die keine Wünsche übrig lassen und in Larochette* eine weitere, die zwar nicht ganz so modern ist, aber dennoch empfehlenswert. Damit punktet der Mullerthal Trail ganz klar hinsichtlich billiger Übernachtungsmöglichkeiten.

 

Der öffentliche Nahverkehr am Mullerthal Trail

Dank des gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehrs in Luxembourg und der Region Mullerthal sind alle Startpunkte und Etappenziele gut mit Bussen zu erreichen. Verglichen mit der Situation im Bergischen Land oder auch der Eifel fahren die Busse sogar sehr häufig, und auch wenn man umsteigen muss, braucht man keine Ewigkeit einzuplanen. Wo, wie und wann Busse fahren, lässt sich bequem auf der Internetseite des Trails recherchieren.

 

Die An- und Abreise zum Mullerthal Trail

Der Mullerthal Trail ist sowohl mit öffentlichen Verkehrsmitteln als auch mit dem Auto bequem zu erreichen. Für Autofahrer bietet er den Vorteil, dass er keine Streckenwanderung im eigentlichen Sinne ist. Dadurch, dass der Weg in unterschiedlichen Schleifen angelegt ist, kann man auch eine Mehrtagestour planen und wieder am Startpunkt herauskommen. Möchte man ganz auf das Auto verzichten, führt der Weg über Trier und Stadt Luxembourg oder Wasserbillig. In beiden Städten gibt es Busse nach Echternach, wobei die Strecke Wasserbillig – Echternach etwa stündlich bedient wird und von Luxembourg Stadt alle halbe Stunde nach Echternach fahren.

 

Die Markierung des Mullerthal Trails

Die Wegmarkierung ist durchweg hervorragend und man kann sich getrost ohne Karte und GPS auf den Weg machen. Neben dem roten M auf Bäumen und Pfosten gibt es in regelmäßigen Abständen auch Hinweisschilder mit Entfernungsangaben.

Mullerthaltrail 16

Wobei ich hier anmerken muss, dass diese nicht immer exakt mit denen im Outdoor Wanderführer Mullerthal Trail übereinstimmen. Allerdings handelt es sich hierbei nicht um frappierende Abweichungen, sodass man bei der Einschätzung der Restwegstrecke sowohl auf die Beschilderung als auch den Wanderführer zählen kann.

 

Einkehrmöglichkeiten und Einkaufsmöglichkeiten am Mullerthal Trail

Beides war zumindest auf den Strecken, die wir gelaufen sind, rar. Allerdings haben wir uns auch nicht bewusst darum gekümmert, ob es vielleicht etwas abseits des Weges Einkehrmöglichkeiten gibt. Wer sich überlegt den Weg zu trekken, der findet in jedem Fall in Echternach, Larochette, Beaufort und Berdorf Einkaufsmöglichkeiten.

 

Fazit

Ich bin nach wie vor begeistert von dem Weg. Vor allem die Route zwei hält, was ich von einem Trail erwarte, nämlich kleine Pfade über Stock und Stein. Toll finde ich auch, dass es ausreichend preisgünstige Unterkunftsmöglichkeiten gibt. Gleichzeitig finden sich aber auch für all jene, die nicht so auf Camping und Jugendherberge stehen, schöne Hotels direkt am Trail. Ich kann natürlich nicht beurteilen, wie frequentiert der Weg im Sommer ist, doch jetzt im Herbst sind wir stundenlang alleine gelaufen. Etwas voller wurde es eigentlich nur dort, wo es in der Nähe von besonderen Attraktionen auch einen Parkplatz gab.

 

Wie sieht es bei dir aus, welche Kriterien muss ein Wanderweg für dich erfüllen, damit er dich begeistert. Her mit den Kommentaren. Ach ja und selbstredend werde ich dir nicht den Kopf abreißen, wenn du diesen Beitrag teilst. :-) 

Anmerkung: Der Artikel ist, in Teilen, mit der freundlichen Unterstützung der genannten Jugendherbergen und Visit.Luxembourg entstanden, meine Meinung bleibt davon unberührt. Mit * gekennzeichnete Links sind Affiliatetd Links.